Trotz der Konjunkturabkühlung haben die Unternehmen hierzulande weiterhin Schwierigkeiten, offene Stellen mit qualifiziertem Personal zu besetzen. Das belegt der Arbeitsmarktreport 2012|2013, den der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) vorgelegt hat.
Die Auswertung "Fachkräfte – auch bei schwächerer Wirtschaftslage gesucht" basiert auf der jüngsten DIHK-Konjunkturumfrage. Ihr liegen mehr als 20.000 Unternehmensantworten zugrunde.
"29 Prozent der Betriebe können offene Stellen zwei Monate und länger nicht besetzen – das entspricht etwas weniger als einer Million Arbeitsplätzen", berichtete der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks, der die Ergebnisse des Reports in Berlin vorstellte.
Der DIHK prognostiziere für 2013 lediglich ein Wachstum von 0,7 Prozent, erinnerte Dercks. "Dass dennoch fast jedes dritte Unternehmen Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung hat, ist ein deutliches Signal, dass die Anstrengungen zur Fachkräftesicherung nicht nachlassen dürfen", mahnte er.
Die aktuelle Studie zeigt, dass die Engpässe mittlerweile über Qualifikationsniveaus hinweg bestehen: "Absolventen mit dualer Ausbildung sind ebenso gesucht wie Hochschulabsolventen", sagte Dercks. So ist unter den Betrieben mit Stellenbesetzungsproblemen der Anteil derer, die Kandidaten mit dualer Berufsausbildung suchen, mit 42 Prozent fast genauso hoch wie der Anteil derer, die (erfolglos) Fach- oder Hochschulabsolventen einstellen möchten (43 Prozent). Mitarbeiter mit Weiterbildungsabschlüssen fehlen in 38 Prozent dieser Unternehmen, während nur 15 Prozent Beschäftigte ohne Berufsausbildung vermissen.
"Geringere Schulabgängerzahlen und ein verändertes Studierverhalten verknappen den Markt bei dual Ausgebildeten", erläuterte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer in Berlin. "Die demografische Entwicklung wird diesen Trend verschärfen." Folgerichtig sehen die Betriebe dem DIHK-Arbeitsmarktreport zufolge im Fachkräftemangel eine Wachstumsbremse. "Auch die Innovationsfähigkeit steht auf dem Spiel", sagte Dercks.
Dabei seien in erster Linie die Unternehmen selbst gefragt, gegenzusteuern. "Mehr Aus- und Weiterbildung stehen ganz oben auf der Agenda", so Dercks. Weil der dualen Ausbildung eine Schlüsselrolle bei der Fachkräftesicherung zukomme, gelte es, hier alle Potenziale zu nutzen – die der Leistungsschwächeren ebenso wie die der Leistungsstarken.