Die Bewerbung

(Diese Rubrik wurde erstellt mit freundlicher Unterstützung von Dr. Heidemarie Krüger, Steinbach Consulting AG, Büro Kassel/Königsgalerie)

Die Entscheidung für eine bestimmte Ausbildung ist der erste Schritt, die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz der zweite Schritt. Beides zusammen ergibt den „guten Bewerber“, die „gute Bewerberin“, und die Bewerbung selbst legt die Grundlage für den Entscheidungsträger, ob der Kandidat oder die Kandidatin der oder die „Richtige“ ist.

Die Bewerbung drückt aus, wie begründet der Wunsch ist, diesen Beruf zu ergreifen. Sie zeigt die Glaubwürdigkeit und die Qualität/Kompetenz des Bewerbers, der Bewerberin. Ist dies erfüllt, gelingt auch der nächste Schritt zum Vorstellungsgespräch beim Start in den Beruf.

Was also muss beachtet werden? Worauf kommt es an?

Sind Schule und Berufsausbildung abgeschlossen verfügen die Bewerber über drei Voraussetzungen für eine Berufstätigkeit: 1. die eigene Lebensgeschichte und die Herkunft, 2. das Abschlusszeugnis und ihre fachlichen Kenntnisse, sowie 3. die eigene Persönlichkeit mit den Lebenseinstellungen (z.B. zur Arbeit).

Die Unternehmen wollen in einer Bewerbung die Passform des Kandidaten für diesen Beruf erkennen. Deshalb müssen diese drei Voraussetzungen in der Bewerbung vorgestellt und später sicher auch im Vorstellungsgespräch erläutert werden. Hierin liegen in der Regel die Motive und Gründe für die Berufswahlentscheidung.

Zur Vorbereitung und Hilfestellung beantworten Sie bitte folgende Fragen:

  • Wie sind Sie auf diesen Beruf gestoßen?
  • Warum passt dieser Beruf zu ihrer Person?
  • Was wissen Sie über den Beruf, die Aufgaben, die Erwartungen und Anforderungen?
  • Woher haben Sie diese Informationen?
  • Welche Kenntnisse (Fächer, Noten etc.), Erfahrungen, Neigungen, Interessen, Eigenschaften, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Hobbies, Kontakte, Personen (Eltern, Familie, Freunde), Unternehmen (Praktikum) oder sonstige Aktivitäten können Sie nennen, die in einer Beziehung zu diesem Beruf stehen?
  • Was mögen Sie in einem Beruf gar nicht?
  • Wie würden Sie am liebsten arbeiten?

Einen Teil dieser Antworten sollten Sie in der Bewerbung, im Lebenslauf und im Anschreiben nennen.

Aufbau eines Lebenslaufes
Der Lebenslauf ist das Spiegelbild der Lebensgeschichte, und je älter man ist, desto klarer zeigt er unabhängig vom Arbeitsmarkt die Entscheidungsfähigkeit einer Person. Und immer wird erwartet, dass jemand seinen beruflichen Lebensweg erklären kann. Es wird nach den Motiven und den Hintergründen gefragt.

Für den Start in den Beruf ist der Lebenslauf chronologisch aufzubauen, um die persönliche Lebensgeschichte in der Familie und die schulische Entwicklung erkennen zu können. Ergänzt um die Interessen, Neigungen und Hobbies lassen sich erste Hinweise auf die drei Voraussetzungen erschließen, die den ersten Eindruck vom Bewerber festigen.

Je mehr Informationen Sie dem Unternehmen, bei dem Sie sich bewerben, geben, desto besser kann entschieden werden, ob Sie aus Sicht des Unternehmens zum Unternehmen selbst und zu der Ausbildung passen und den nächsten Schritt gehen werden, d.h. zu einem Vorstellungsgespräch oder zu Tests in das Unternehmen eingeladen werden.

Auf einen Anruf bei einem Unternehmen, das eine Ausbildungsstelle anbietet, ist zu verzichten. Die Erfahrungen zeigen, dass die Ansprechpartner in den Unternehmen sich bei der Vielzahl der Anrufe keinen Namen oder Hintergründe merken können, sich keine Notizen machen und deshalb auch kein Eindruck zurück bleibt, auf den man sich später beziehen kann.

Anschreiben

Das Anschreiben bietet eine weitere Möglichkeit, sich als Bewerber und Bewerberin persönlich zu präsentieren. Eine Studie sagt, dass die Auswahlkriterien sehr häufig den Ausschlag geben, wer eine Ausbildungsstelle bekommt.

Sagen Sie in zwei bis drei Sätzen, wie Sie auf den Beruf gestoßen sind und warum dieser zu ihnen passt. Gehen Sie dabei auf den letzten Punkt im Lebenslauf (Sonstige Leistungen etc.) ein.

Regeln für das Anschreiben
Immer
1. Adresse und Telefonnummer angeben
2. Persönlich an eine konkrete Person adressieren (der Name ist herauszufinden, wenn er nicht in der Anzeige steht oder bekannt ist)
3. Bezug zur Informationsquelle über das Angebot einer Ausbildungsstelle herstellen (Zeitung, Person, Internet etc.)
4. Persönlich anschreiben: Sehr geehrte/r Frau/ Herr …
5. Über das Motiv und die Gründe für die Bewerbung für diese Ausbildung (wie oben angeben) schreiben
6. Anbieten, für ein Vorstellungsgespräch immer zur Verfügung zu stehen
7. Sie sollten ihre Bewerbung von Eltern/Lehrern/Freunden gegenlesen lassen. Fehlerfreie Bewerbung mit klarem Schriftbild (mit PC geschrieben) fertigen (Rechtschreibfehler erhöhen nicht die Chancen auf Erfolg).
8. Führen Sie eine Liste über abgeschickte Bewerbungen und Absagen. So können Sie es vermeiden sich mehrfach auf eine Lehrstelle zu bewerben

Die Bewerbungsmappe

Ein Beweis dafür, wie wichtig jemand seine Bewerbung nimmt, ist die Mappe, die verschickt wird. Die Mappe spiegelt die persönliche Einstellung und Sorgfalt wieder, die jemand seiner Zukunft schenkt. Sie sollte nicht wie eine „Wurfsendung“ oder wie 50 andere (dunkelblau, Pappe, mit drei Seiten) aussehen. Achtung: ggf. Bewerbungsfristen beachten (z. B. bei Banken, Sparkassen).

Checkliste und Reihenfolge der Unterlagen

  • Anschreiben (im Original auf gutem Papier), lose
  • Deckblatt (nach eigener Entscheidung) mit Adresse und Foto (vom Profi machen lassen, nicht Automat), eingeheftet, nicht in Hülle oder geklammert
  • Lebenslauf mit Foto (im Original auf gutem Papier), eingeheftet, nicht in Hülle
  • Alle Zeugniskopien, eingeheftet, nicht in Hülle oder geklammert
  • Belege von Lehrgängen oder sonstigen Aktivitäten, in Kopie, eingeheftet, nicht in Hülle oder geklammert

Ist eine Frist angegeben, ist diese grundsätzlich zu beachten. Andernfalls wird dies als Verletzung einer Regel verstanden. Es wird unterstellt, dass Sie sich häufiger nicht an Vorgaben halten. So werden Sie im Verfahren auch nicht berücksichtigt.

Ist die Bewerbung abgeschickt, kann es zwei bis drei Wochen bis zur Antwort dauern. Auf einen Anruf sollten Sie verzichten. Das Verfahren läuft.

Achtung: Links gibt es zahlreiche, jedoch z. T. in der Regel kostenpflichtig.


Tipps für Online-Bewerbungen
(Diese Rubrik wurde erstellt mit freundlicher Unterstützung von Dr. Heidemarie Krüger, Steinbach Consulting AG, Büro Kassel/Königsgalerie)

Es ist so leicht und schnell eine Bewerbung online verschickt. Die Bewerber freuen sich über die Entlastung, die Personaler in den Unternehmen stöhnen über den erhöhten Arbeitsaufwand. Die Praxis zeigt, dass das schnelle digitale Medium  dazu verleitet, eine Bewerbung ohne die gebotene Sorgfalt zu verfassen und ein Mindestmaß an Qualität  zu unterschreiten.
 
Auch eine Online-Bewerbung ist eine Bewerbung auf dem Post-Weg, nur der Weg hat sich verändert. Die Regeln haben sich nicht verändert. Diese gilt es einzuhalten, Fehler zu vermeiden und Verärgerung zu verhindern, die die Online-Bewerbung gleich in den virtuellen Papierkorb wandern lassen. Für die „digitale Bewerbung“ gelten die Regeln wie für eine schriftliche Bewerbung (vgl. Kapitel 3).

Es gilt immer noch: eine Bewerbung ist das Spiegelbild der Persönlichkeit und Ausdruck der Wertigkeit, die die Bewerber der eigenen Bewerbung beimessen. Ist die Online-Bewerbung nachlässig, wird gefragt, ob dies die Sorgfalt ist, die Sie selbst auch im Beruf vermissen und/oder einem Mitarbeiter durchgehen lassen.

Die Unternehmen werden derzeit mit erwünschten und unerwünschten Online-Bewerbungen überhäuft. In der Kürze liegt der Erfolg.

Die Regeln:
bei Bewerbungen auf Stellenausschreibungen:
1. Online-Bewerbungen nur senden, wenn solche angefordert oder erbeten werden. Fragen Sie auch nicht nach, ob Sie eine solche senden dürfen, wenn keine eMail-Adresse im Text steht.
2. Exakte Stellenbezeichnung in der Betreffzeile angeben, da oft mehrere Stellen ausgeschrieben werden.

bei Initiativbewerbungen (ohne Ausschreibung):
3. Senden Sie Ihre Mail nicht an eine info@.... Adresse, sondern direkt an eine Person. Deren Namen können Sie telefonisch erfragen oder im Internet finden.
4. Senden Sie nur das Anschreiben, den Lebenslauf und ein fachliches Profil und kündigen Sie eine komplette Bewerbungsmappe an, die Sie nachsenden.

Die größten Fehler - allgemein:
Je mehr der Empfänger auszudrucken hat, desto mehr ist er verärgert. Das Sekretariat ist überlastet, und der Papierverbrauch steigt ins Unermessliche. Soviel Altpapier kann später nicht verwendet werden. Deshalb

5. senden Sie nicht alle Zeugnisse, Dokumente, Seminarbescheinigungen etc. Reduzieren Sie die Attachements auf ein Minimum (siehe oben) und bieten Sie an, erwünschte Dokumente nachzureichen.
6. Senden Sie die Anhänge alle  einheitlich in gängigen Formaten (.doc, .jpg damit die Formate nicht verloren gehen) und in kleinen Dateien. Gescannte Dokumente sind auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Es können Fehler auftreten.
7. Fotos niemals in DINA 4-Größe! – nur in Kleinformat
8. Formatierungen einheitlich verwenden und in Probesendung überprüfen.
9. Piktogramme, Emoticons und Smilies  sind Bewerbungskiller.
10. Nur seriöse eMail-Adressen verwenden (nicht sunny@..)
11. Setzen Sie das Anschreiben (wie in der Bewerbungsmappe) oben auf, gleich in eMail und nicht als Extra-Anhang.
12. Der Lebenslauf muss vollständig, auf dem neuesten Stand und mit den jüngsten Datum versehen sein. Sonst sieht es aus wie eine Massensendung.
13. Verwenden Sie immer den gleichen Schrifttyp und die gleiche Schriftgröße  – hier geht es auch um die Optik.

Denken Sie daran:
Die Qualitätsmaßstäbe sind unverändert geblieben – im Gegenteil: die Wettbewerbssituation hat sich verschärft und duldet keine Nachlässigkeit. Im Zweifel ist eine bewährte Mappe (aber keine dreigefaltete Pappmappe, die nicht auf kleine Schreibtische paßt) vorzuziehen.
Und:
Der Personaler erinnert sich eher an eine Mappe, die er in der Hand hatte und in der er ein gutes Papierfoto sah, als an einen Bewerbung, die nur aus weißen Papier bestand, das unter Hunderten von anderen Blättern lag. Sie fallen nicht mehr auf. Sie sind ein Bewerber unter anderen.

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