Die Berufsschule

Die Kultusministerkonferenz hat 1997 Beschlüsse zum Umfang und zur Organisation des Berufsschulunterrichts gefasst. In der Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz über die Berufsschule wurde der Unterrichtsumfang festgelegt, er umfasst danach mindestens 12 Wochenstunden (entspricht 480 Unterrichtsstunden im Jahr bei 40 Wochen). Der Unterricht in der Berufsschule setzt sich zusammen aus einem berufsspezifischen Anteil von in der Regel acht Wochenstunden und einem allgemeinen berufsbezogenen Anteil von mindestens vier Wochenstunden. Die Stundentafeln der Länder können das Unterrichtsangebot differenzieren in einen Pflichtbereich und einen Wahlpflicht- und/oder Wahlbereich. Wahlpflicht- und/oder Wahlfächer dienen der Stützung, Vertiefung und Erweiterung
(z. B. Fremdsprachen).

Die Inhalte des berufsspezifischen Unterrichts werden im Rahmenlehrplan der Kultusministerkonferenz durch das Verfahren nach dem gemeinsamen Ergebnisprotokoll in Abstimmung mit dem Bund und den Sozialpartnern festgelegt. Eine weitere Abstimmung der Lehrpläne erfolgt im Rahmen der Umsetzung auf der Länderebene auf der Grundlage länderspezifischer Beteiligungsverfahren. Die Berufsschulen haben die Aufgabe, den Unterricht nach den Lehrplänen in enger Kooperation mit den Ausbildungsbetrieben im Einzugsbereich zu gestalten.

In ihrer Erklärung zu Umfang und Organisation des Berufsschulunterrichts hat die KMK den Umfang des Berufsschulunterrichts mit mindestens 12 Stunden bekräftigt. Sie hat betont, dass die Organisation des Berufsschulunterrichts Aufgabe der Länder sei und die Wahl der Organisationsform in enger Abstimmung mit den Betrieben erfolgen soll.

Es werden regelmäßige Abstimmungsgespräche über die Optimierung der Organisation der Ausbildung in Betrieb und in der Berufsschule geführt sowie Absprachen getroffen. Diese Lernortkooperation wird in Ausbilderarbeitskreisen vertieft. Die Kultusministerien haben den Berufsschulen die Aufgabe übertragen, im Rahmen pädagogisch und lernpsychologisch vertretbarer Lösungen den Berufsschulunterricht so zu organisieren, dass die Abwesenheitszeit der Auszubildenden vom Betrieb möglichst gering ist.

Unterrichtsumfang
Die Analyse der Schulgesetze der Länder ergibt, dass alle Länder in der Regel einen mindestens zwölfstündigen Berufsschulunterricht vorgesehen haben bzw. durchführen. Viele Länder bieten in diesem Rahmen oder darüber hinaus einen Wahlpflichtunterricht oder einen Wahlunterricht an. Bis auf wenige Ausnahmen ist der Umfang des Berufsschulunterrichts in den Ländern für alle Berufsfelder einheitlich.

Organisationsformen
Die gängige Kritik an der Berufsschule, ihr Unterricht beanspruche generell zwei volle Tage in der Woche über die gesamte Ausbildungszeit, wird durch die Situation in den Ländern nicht gestützt. Grundsätzlich gibt es keinen zweiten Berufsschultag pro Woche, sondern einen Berufsschulunterricht, der mehr als einen Tag beansprucht. Vielfältig, differenziert und flexibel sind die Organisationsformen für den Berufsschulunterricht. Die Berufsschulen arbeiten mit der Wirtschaft/den zuständigen Stellen eng zusammen und versuchen ihre Belange zu respektieren und darauf zu reagieren. Sie verständigen sich mit den örtlich an der Berufsausbildung Beteiligten darüber, welche zur Auswahl angebotenen Organisationsformen gewählt werden sollen. Über die Umsetzung, Änderung und Gestaltung, d.h. auch über die Varianten von Länge und Rhythmus der Unterrichtstage wird in allen Ländern vor Ort in Abstimmung mit der Schulaufsicht, den Kammern, Innungen und Verbänden entschieden.

Alle Länder bieten neben der Unterrichtsorganisationsform: Einzeltage je Woche (Teilzeitform) auch die verblockte Unterrichtsform in Wochen (Blockunterricht) an. Dabei regeln alle Länder den Berufsschulunterricht auf der Basis von in der Regel 480 Jahreswochenstunden, wobei einige Länder auch eine Verlagerung von Unterrichtszeiten zwischen den Ausbildungsjahren zulassen. Im folgenden werden die überwiegend zur Anwendung kommenden Organisationsformen des Berufsschulunterrichts aufgelistet. Auch Kombinationsmöglichkeiten der Modelle (Mischformen) kommen zur Anwendung. Darüber hinaus bestehen in einzelnen Regionen betriebs- und branchenspezifische Einzellösungen (z.B. saisonalbedingte Besonderheiten), die nicht erfasst sind.

Die Vielfalt der Organisationsformen geht auf die Abstimmung zwischen Betrieben und Schulen zurück, so dass eineinhalb bzw. zwei Tage pro Woche, auf die sich die Kritik der Ausbildungsbetriebe bezieht, seit langem nicht mehr vorherrschend sind. So wird zum Beispiel im Einzelhandel und für Arztpraxen diese Organisationsform häufig gewünscht, da die Auszubildenden anschließend noch im Betrieb anwesend sein können.

Die Länder erfassen über die Schulaufsicht die erteilten Unterrichtsstunden jedoch nicht nach den angegebenen Organisationsvarianten. Quantitative Aussagen zu den einzelnen Organisationsformen wären nur mit erheblichem Zeit- und Arbeitsaufwand möglich. Statistische Angaben über die Schülerzahlen nach erteilten Unterrichtsstunden lassen keine Rückschlüsse auf die Organisationsform zu. Soweit hierzu Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes vorliegen, sind hierzu neben Schülern in der dualen Berufsausbildung in Organisationsformen, die betriebsfreundlich sind.

Grenzen der Flexibilität
Die Organisationsvarianten haben dort ihre Grenzen, wo der Lehrereinsatz und die räumlichen Gegebenheiten ein Mindestmaßstab an Kontinuität notwendig machen. Außerdem sollten nach pädagogischen und lernpsychologischen Erkenntnissen grundsätzlich acht Unterrichtsstunden pro Tag bzw. 36 Unterrichtsstunden pro Woche im Blockunterricht nicht überschritten werden. Die geforderte Kooperation der Lernorte bei der Ausbildung setzt voraus, dass die zeitnahe Vermittlung von Ausbildungsinhalten möglich bleibt. Die Organisationsvarianten sollten die auf Bundesebene erzielte Abstimmung zwischen Ausbildungsordnung und Rahmenplan nicht konterkarieren.

Die Kultusministerkonferenz geht davon aus, dass mit den vielfältigen Möglichkeiten den Bedürfnissen der Betriebe für eine hohe Anwesenheit der Auszubildenden Rechnung getragen wird.

Soweit in Einzelfällen Probleme auftreten, sollten diese mit der örtlichen Schulaufsicht, ggf. mit den Kultusministerien, geklärt werden.

Organisationsformen auf der Basis von 480 Unterrichtsstunden pro Schuljahr Teilzeitform

- 1 1/2 Tage pro Woche (durchgängig)
- 2 Tage pro Woche mit in der Regel je 6 Unterrichtsstunden (durchgängig)
- 1 Woche, 2 Tage mit in der Regel je 8 Unterrichtsstunden, (alternierend)
1 Woche, 1 Tag mit in der Regel 8 Unterrichtsstunden - 1 Woche, 3 Tage mit in der Regel je 8 Unterrichtsstunden, (alternierend)
1 Woche ohne Berufsschulunterricht
- 1 Halbjahr, 2 Tage mit in der Regel je 8 Unterrichtsstunden, (alternierend)
1 Halbjahr, 1 Tag mit in der Regel 8 Unterrichtsstunden

Organisationsform auf der Basis von 480 Unterrichtsstunden pro Schuljahr in geblockter Unterrichtsform Blockunterricht

- 1 Woche Schule, 2 Wochen Betrieb
- 13 Wochen mit in der Regel je 35 (alternierend) Unterrichtsstunden in 2 oder mehr Teilabschnitten

Mischformen zwischen Teilzeit- und Blockunterricht

zum Beispiel: Ein Tag pro Woche kombiniert mit Wochenblöcken

Organisationsform jahrgangsübergreifend auf der Basis der Unterrichtsstunden der gesamten Ausbildung

- 3 Halbjahre mit je 2 Tagen und in der Regel je 8 Unterrichtsstunden und 3 Halbjahre mit je 1 Tag und in der Regel je 8 Unterrichtsstunden

- 2 Halbjahre mit je 2 Tagen und in der Regel je 9 Unterrichtsstunden und 4 Halbjahre mit je 1 Tag und in der Regel je 9 Unterrichtsstunden

Fahrten zur Berufsschule gelten als Dienstreise

Berufsschüler können ihre Fahrten zur Schule als Dienstreise werten - wichtig, wenn ihre Eltern verhindern wollen, dass für die Kindergeldberechnung die Höchstgrenze der jährlichen Ausbildungsvergütung überschritten wird.

Auch für Kinder über 18 Jahren können Kindergeld und Kinderfreibetrag gewährt werden, sofern sie eine Berufsausbildung machen. Die Einkünfte des Kindes dürfen jedoch nicht über 7188 Euro im Jahr liegen. Geht es darum, die Einkünfte und Bezüge des Kindes unter diese Grenze zu drücken, sollten alle Möglichkeiten in Betracht gezogen werden.
Eine wichtige Hilfe bietet dabei eine Entscheidung des Finanzgerichts München, auf die die Bielefelder Steuerkanzlei Begger aufmerksam macht. Muss das Kind im Ausbildungsdienstverhältnis nur gelegentlich, also ein- bis zweimal wöchentlich, zur Berufsschule, sind die Fahrten das ganze Jahr über als Dienstreisen zu berücksichtigen. Folglich können für alle Fahrten 0,30 Euro für jeden gefahrenen Kilometer als Werbungskosten bei den Einkünften des Kindes in Abzug gebracht werden. Beträgt die Abwesenheit von zu Hause mehr als acht Stunden am Tag, können zudem Verpflegungsmehraufwendungen in Höhe von 6 Euro geltend gemacht werden.
Bei der Anwendung dieser Rechtsprechung ist darauf zu achten, dass es sich hierbei um ein noch nicht rechtskräftiges Urteil handelt (FG München, AZ: 12 K 43/02; Revision beim Bundesfinanzhof unter AZ: VIII R 45/02). Vom BFH wurde bereits entschieden, dass im Fall des Blockschulunterrichtes in den ersten drei Monaten eine Dienstreise vorliegt. Ab dem vierten Monat Blockunterricht wird die Berufsschule zur regelmäßigen Arbeitsstätte, und das Kind kann Fahrtkosten nur noch in Höhe der niedrigeren Entfernungspauschale absetzen.
 

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Wie sind die neuesten Trends auf dem Ausbildungsmarkt? Welche Trends bilden sich in der Weiterbildung? Wie wollen die nordhessischen Betriebe ihren Fachkräftebedarf decken? Fragen, denen wir gern künftig aktuell auf den Grund gehen möchten. In jeder Ausgabe unseres Newsletters möchten wir Ihnen deshalb eine Frage des Monats stellen, um deren Beantwortung wir Sie gerne bitten möchten. Die Frage des Monats August lautet:
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