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12.08.2010

Thema der Woche: Pioniere gesucht – DIHK-Gründerreport 2010


Erstmals seit vier Jahren wollten in Deutschland zuletzt wieder mehr Menschen ein Unternehmen gründen. Der Anstieg ist deutlich: 14 % mehr Gespräche mit Existenzgründern als im Vorjahr führten die IHKs 2009 – insgesamt 363.501. Doch Pioniergeist steht selten Pate bei der Gründungsabsicht. Was läuft schief?

Dienstleistungen boomen,
… 71 % der Beratenen wollen in Servicebranchen gründen – wie Gebäudebetreuung, Gastgewerbe, künstlerische Tätigkeiten, Werbung. Die meisten wollen wegen drohender Erwerbslosigkeit starten und bringen nur wenig Kapital mit. Bei vielen Dienstleistungen kann man schon mit geringer Geschäftsausstattung loslegen. Oftmals reicht ein PC, um etwa eine Beratung anzubieten.

… aber wenig Hightech-Gründungen
Nur 6 % wollen in einer Hightech-Branche starten. In Zeiten des sich abzeichnenden Fachkräftemangels sehen viele qualifizierte Beschäftigte große Chancen auf eine gut dotierte Anstellung, die sie dem „Abenteuer Selbstständigkeit“ vorziehen. Weitere Hemmnisse sind laut IHKs fehlende Finanzierungsmöglichkeiten sowie das vergleichsweise hohe Risiko von Hightech-Projekten. Doch Start-ups etwa in der IT-Branche oder der Medizintechnik setzen starke Wachstums- und Beschäftigungsimpulse. Im ersten Jahr schaffen Hightech-Gründer bis zu sechs Arbeitsplätze – doppelt so viel wie der Durchschnitt der Gründungen.

Qualität der Geschäftskonzepte lässt nach
Immer weniger Gründer legen der IHK durchdachte Konzepte vor. 46 % haben nur vage Vorstellungen von ihrer Zielgruppe – 8 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Fast zwei Drittel der arbeitslosen Gründer können nicht erklären, warum Kunden ihr Produkt – und nicht das der Konkurrenz – kaufen sollten.
Trotz fast 200 Förderprogrammen für Existenzgründer ist es damit nicht gelungen, in Deutschland eine Welle innovativer Gründungen anzustoßen. Das muss geschehen:

„Unternehmertum“ an Schulen und Hochschulen verankern
Bei derzeitiger demografischer Entwicklung und Gründungsneigung wird es 2050 über eine halbe Mio. weniger Unternehmer in Deutschland geben – mit großen Innovations- und Wachstumseinbußen und dem drohendem Verlust von 2 Mio. Arbeitsplätzen. Es gilt, junge Menschen für den „Beruf Unternehmer“ zu interessieren. Nicht nachvollziehbar ist daher, dass in vier von fünf gesellschaftswissenschaftlichen Schulbüchern das Thema „Unternehmertum“ fehlt. Bei ihrer Kampagne „Gründerland Deutschland“ sollte sich die Bundesregierung daher für mehr „Unternehmertum“ im Bildungssystem einsetzen. Wegen ihrer bildungspolitischen Kompetenz müssen dabei die Bundesländer gemeinsam mit der Bundesregierung vorangehen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern
Dazu gehört vor allem eine bessere Infrastruktur zur Kinderbetreuung. Betreuungszeiten, die bereits am frühen Nachmittag enden, werden heutzutage kaum einer Form der Erwerbstätigkeit gerecht - erst recht nicht der Führung eines Unternehmens.

Tragfähigen gesetzlichen Rahmen für Beteiligungskapital schaffen
Bei derzeitiger Gesetzeslage können ausländische Investoren nicht sicher sein, ob Beteiligungsgewinne zusätzlich zum Heimatland auch in Deutschland besteuert werden. Dies verunsichert Investoren – und macht es innovativen Gründern schwer, Kapitalgeber zu finden.

Service aus einer Hand anbieten
Trotz Internet beklagen viele Gründer, dass sie für die notwendigen Genehmigungen noch immer „von Pontius zu Pilatus“ rennen müssen. Für einen Service aus einer Hand stehen die IHKs: Sie wollen bundesweit neben einem umfassenden Gründerservice von Erstauskunft über Seminare bis zum Businessplan-Check auch die Gewerbeanmeldung anbieten. Die Länder Hamburg, Rheinland-Pfalz und Bayern ermöglichen den IHKs die rechtsgültige Gewerbeanzeige, die anderen Länder sollten folgen.
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