Mit großer Sorge verfolgt der Regionalausschuss Marburg der IHK Kassel die Aufstellung und die Beratung zum Bebauungsplan Nr. 2/4 „Campus Firmanei, Universitätsbibliothek“ in Marburg. Zwar sei es grundsätzlich zu begrüßen, dass die intensiv frequentierte Universitätsbibliothek, derzeit außerhalb der eigentlichen Innenstadt in der Wilhelm-Röpke-Straße gelegen, zurück in die Innenstadt verlagert werden soll, und damit auch eine erhöhte Kunden- und Besucherfrequenz in die eigentliche Innenstadt bringt. Insgesamt sei der Bebau-ungsplan jedoch nur halbherzig aufgestellt worden.
Besonders zu kritisieren ist, dass auf dem Gelände selbst, aber auch auf dem angrenzenden Innenhof der ehemaligen Kinderklinik, keine Tiefgaragenplätze für Besucher oder auch für Touristen und Einkäufer vorgesehen sind. Die Argumentation, wonach Individualverkehr aus dem Lahntal herausgehalten werden soll, geht an den Verkehrsbedürfnissen der Marburger Bevölkerung und der auswärtigen Besucher völlig vorbei.
Darüber hinaus nimmt der Bebauungsplan auch nicht Rücksicht auf die zukünftigen Anforderungen an die innerstädtische Urbanität, die auch von kleinen Elektrofahrzeugen geprägt sein wird. Weder enthält der Bebauungsplan Parkplätze für Elektrofahrzeuge und Ladestationen, noch geht er auf die bald zu erwartenden neuen Entwicklungen ein. Es handelt sich vor diesem Hintergrund um einen für das Marburg der letzten zwanzig Jahre typischen Bebauungsplan, der rückwärts gewandt ist und zukünftige Entwicklungen, insbesondere im Verkehrssektor, nicht antizipieren will. Marburg darf nicht die Stadt der verpassten Gelegenheiten bleiben.
Der Regionalausschuss fordert daher, die Gelegenheit beim Schopfe zu ergreifen und den Campus/Firmanei nicht nur für die universitären Nutzungen, sondern auch für die Nutzung durch die Bürgerinnen und Bürger fit zu machen und entsprechende Einrichtungen für den ruhenden Verkehr vorzusehen. Das Argument „Feinstaubbelastung“ erledigt sich durch den inzwischen eingetretenen technischen Fortschritt (Euro 5 Fahrzeuge) und die zukünftig zu erwartende Verbreitung von Elektrofahrzeugen auf kurze bis mittlere Sicht ohnehin von selbst. Solche Argumente haben daher in Bebauungsplänen, deren Auswirkungen weit in die Zukunft reichen, keinen Platz mehr.
Für die Wirtschaftsferne der Planung sprechen auch Festlegungen, so kritisiert der Regionalausschuss, zum Thema Einfriedungen oder der Größe von Werbeanlagen, die nicht im Vorfeld festgeschrieben, sondern mit den Betroffenen abgesprochen und an deren Bedürfnisse angepasst werden sollten. Der Regionalausschuss empfiehlt daher eine gründliche Überarbeitung des vorliegenden Werkes.