Blick auf die Berufliche Bildung lenken

BBiG-Novelle tritt nach seiner Zustimmung zum 01.01.2020 in Kraft

Die aktuelle BBiG-Novelle wurde vom Bundeskabinett am 15. Mai 2019 beschlossen. Nach der Verabschiedung durch den Deutschen Bundestag am 25. Oktober 2019 fand am 29. November 2019 der zweite Durchgang im Bundesrat statt. Nach seiner Zustimmung tritt die Novelle zum 01.01.2020 in Kraft.
DIHK-Präsident Schweitzer: Blick auf die Berufliche Bildung lenken
“Das neue Berufsbildungsgesetz setzt wichtige Impulse, um die Berufliche Bildung attraktiver zu machen und zu stärken. Die neuen Abschlussbezeichnungen „Bachelor Professional“ und „Master Professional“ machen endlich auch sprachlich deutlich, dass berufliche und akademische Bildung gleichwertig sind. Sie unterstreichen zudem die Praxisnähe und besonderen Fähigkeiten von Industriemeistern, Fachwirten oder Bilanzbuchhaltern. Mit den neuen Begriffen als Klammer für die große Vielfalt der Höheren Berufsbildung können wir noch besser den Blick von Eltern, Lehrern und Schulabgängern auf die Berufliche Bildung lenken und sie als gute Alternative zum Studium bekannter zu machen. Das hilft letztlich den Unternehmen, ihren Bedarf an beruflich qualifizierten Fachkräften besser zu decken.
Wichtig ist es auch, einen Teil der Prüfungen künftig von zwei statt drei Prüfern abnehmen zu lassen, um die ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfer nicht unnötig zu belasten. Damit kann in Zukunft trotz Fachkräftemangel und Termindruck das erfolgreiche, ehrenamtliche Prüfungsmodell in der Beruflichen Bildung fortgesetzt werden. Dafür haben wir uns als DIHK stark gemacht. Noch besser wäre es allerdings, wenn diese Regelung für alle praktischen Prüfungen greifen würde.
Im neuen Gesetz gibt es aber auch Luft nach oben, insbesondere bei der Digitalisierung. Hier ist das künftige Recht noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Es schränkt etwa die zeitgemäße und effiziente Kommunikation zwischen IHKs, Azubis und Betrieben weiterhin ein und verhindert z. B. die elektronische Übermittlung von Daten oder ein komplett digitales Berichtsheft. Ich setze darauf, dass die nötigen Anpassungen bald vorgenommen werden”.
Die Modernisierung hat u. a. folgende Ziele:
  • eine Mindestvergütung für Auszubildende gewährleisten,
  • die Ausbildung in Teilzeit erleichtern,
  • die höher qualifizierende Berufsausbildung stärken,
  • mehr Durchlässigkeit zwischen aufeinander aufbauenden Ausbildungsberufen ermöglichen,
  • das Prüfungswesen flexibilisieren,
  • Ehrenamt stärken,
  • Erwachsene Auszubildende bei der Freistellung für den Schulbesuch mit jugendlichen Auszubildenden gleichstellen und
  • Bürokratie abbauen.
Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) gilt als das „Grundgesetz“ der beruflichen Bildung in Deutschland. Am 1. September 1969 trat es in Kraft. Es regelt die Rechte und Pflichten der Auszubildenden und der Betriebe. Auf seiner Grundlage werden duale Ausbildungsberufe bundeseinheitlich geregelt. Auch die berufliche Fortbildung ist im BBiG geregelt.
Das BBiG wurde im Jahr 2005 zuletzt umfassend überarbeitet.