Auswirkungen der Corona-Krise

Tipps und Hinweise für den Handel

Rechtliche Grundlagen zur Betriebsöffnung

Stand: 24.06.2020
Die neue Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung mit Wirkung zum 22. Juni 2020 erlässt neue Regelungen für Verkaufsstätten:
  • In Verkaufsstätten und ähnlichen Einrichtungen darf jetzt maximal eine Person je angefangener zugänglicher Grundfläche von 10 Quadratmetern eingelassen werden (bis zum 22. Juni: pro 20 Quadratmeter)
  • Verkaufsoffene Sonntage sind nur noch nach den Vorgaben des Hessischen Ladenöffnungsgesetztes möglich (bis zum 22. Juni:  Öffnung von Verkaufsstellen auch an Sonntagen zwischen 13 und 18 Uhr geöffnet werden)
Weiterhin sind bei Öffnung von Einrichtungen des Groß- und Einzelhandels, einschließlich der Wochenmärkte und Direktverkäufe vom Hersteller oder Erzeuger und der Geschäfte des Lebensmittelhandwerks folgende Punkte im Publikumsbereich sicherzustellen:
  • ein Abstand von 1,5 Metern zwischen Personen, sofern keine geeigneten Trennvorrichtungen vorhanden sind
  • Spielbereiche für Kinder werden gesperrt
  • Aushänge zu den erforderlichen Abstands- und Hygienemaßnahmen werden gut sichtbar angebracht (Einen Aushang "Corona Hygienehinweise" für Ladengeschäfte können Sie hier downloaden). 
  • Das Betreten des Publikumsbereichs von Einrichtungen des Einzelhandels ist nur gestattet, wenn für die gesamte Dauer des Aufenthaltes eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen wird. 

Eine Öffnung darf nur unter Beachtung der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts zur Hygiene, der Steuerung des Zutritts und der Vermeidung von Warteschlangen erfolgen.

Maßnahmen für den Handel

Durch die Einschränkungen und das verminderte Kundenaufkommen steht der Handel weiterhin vor einer großen Belastungsprobe. Die folgenden Ideen können Ihnen Möglichkeiten aufzeigen, Ihre Liquidität zu sichern und in diesen Zeiten Ihre Mitarbeiter und Kunden zu binden. Ob und welche der Maßnahmen sich für Ihr Unternehmen eignen, liegt selbstverständlich in Ihrem Ermessen.

Mitarbeiter

  • Beantragen Sie für Ihre Mitarbeiter Kurzarbeitergeld über die Bundesagenturen für Arbeit. Momentan geht eine telefonische Abwicklung am schnellsten:  Informationen zum Thema Kurzarbeit finden Sie hier.
  • Ihre Mitarbeiter können trotz Kurzarbeitergeld eine Nebentätigkeit ausüben. Diese muss zwar versteuert werden, erhöht aber insgesamt das Einkommen des Mitarbeiters. Wenn die Nebentätigkeit schon vor Beginn der Kurzarbeit durchgeführt wurde, ergeben sich keine Auswirkungen, erfolgt also keine Anrechnung auf das Kurzarbeitergeld. Nehmen Beschäftigte während des Bezugs von Kurzarbeitergeld eine Nebentätigkeit auf, wird das daraus erzielte Entgelt auf das Kurzarbeitergeld angerechnet, denn es liegt eine Erhöhung des tatsächlichen erzielten Entgelts vor.
  • Für Sorgeberechtigte, die wegen der Betreuung ihrer Kinder vorübergehend nicht arbeiten können, gibt es einen Entschädigungsanspruch. In das Infektionsschutzgesetz ist auf Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales ein Entschädigungsanspruch für Verdienstausfälle bei behördlicher Schließung von Schulen und Kitas zur Eindämmung der gegenwärtigen Pandemie aufgenommen worden. Die neue Vorschrift des § 56 Abs. 1a Infektionsschutzgesetz gewährt erwerbstätigen Sorgeberechtigten, die ihre Kinder infolge der behördlichen Schließung oder eines Betretungsverbots von Kinderbetreuungseinrichtungen, wie Kita oder Schule, selbst betreuen müssen und deshalb einen Verdienstausfall erleiden, einen Entschädigungsanspruch. Die Auszahlung der Entschädigung übernimmt bei Arbeitnehmern der Arbeitgeber. Dieser kann seinerseits bei der von den Ländern bestimmten zuständigen Behörde einen Erstattungsantrag stellen.

Ware

  • Nehmen Sie Kontakt mit Ihren Lieferanten auf und versuchen Sie keine bzw. wenig Ware anzunehmen. Bei der Übergabe sind ebenfalls die gültigen Hygieneregeln zu beachten.
  • Möglicherweise können Sie Waren retournieren, um das Einkaufslimit bei einem Lieferanten zurückzuerhalten.
  • Versuchen Sie mit Ihren Lieferanten Valuta zu vereinbaren und erhalten Sie so einen Zeitplan für Ihre finanziellen Belastungen.
  • Wenn Sie ein Warenmanagement für Lieferanten nutzen, sollten Sie verhindern, dass ungefragt Ware nachgeliefert wird.
  • Ordern Sie vorausschauend für die zweite Jahreshälfte. Berücksichtigen Sie mögliche Lieferengpässe. Zu geringe Bestellungen könnten dazu führen, dass Sie zu wenig Ware haben.
  • Berücksichtigen Sie "Never-Out-of-Stock"-Systeme und reduzieren Sie Ihre Mindestmengen.


Kosten

  • Informationen über Sofortmaßnahmen bei finanziellen Problemen finden Sie in unseren Coronavirus-Informationen für Unternehmen
  • Darüber hinaus gibt es weitere Möglichkeiten:
  • Allgemein: Gehen Sie die Kosten anhand Ihres Finanzplans durch und schauen Sie nach Möglichkeiten, Kosten einzusparen: Werbemaßnahmen, verschiebbare Instandhaltungsmaßnahmen etc.
  • Steuern: Sellen Sie einen Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlungen und Stundung von Steuerzahlungen bei Ihrem Finanzamt. Prüfen Sie über Ihren Steuerberater mögliche Steuererstattungen bereits getätigter Vorauszahlungen für das Jahr 2019.
  • Miete: Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Vermieter, um nach einer Stundung oder gar Reduzierung der Miete zu fragen.  Erklären Sie Ihrem Vermieter, dass in der momentanen Lage keine neuen Mietabschlüsse möglich sind und auch zukünftig insbesondere Einzelhandelsflächen geringe Nachfrage haben werden. Für Mietverhältnisse wird das Recht der Vermieter zur Kündigung von Mietverhältnissen eingeschränkt. Dies gilt sowohl für Wohn- als auch für Gewerberaummietverträge. Wegen Mietschulden aus dem Zeitraum vom 1. April 2020 bis 30. Juni 2020 dürfen Vermieter das Mietverhältnis nicht kündigen, sofern die Mietschulden auf den Auswirkungen der Corona-Pandemie beruhen. Die Verpflichtung der Mieter zur Zahlung der Miete bleibt im Gegenzug im Grundsatz bestehen.
  • Nebenkosten: Reduzieren Sie laufende Nebenkosten so weit wie möglich (Beleuchtung, Wärme-/Kältetechnik, sonstige Geräte)
  • GEMA: Für Lizenznehmer ruhen für den Zeitraum, in dem Sie Ihren Betrieb aufgrund behördlicher Anordnungen zur Eindämmung der Pandemie-Ausbreitung schließen müssen, alle Monats-, Quartals- und Jahresverträge. Es entfallen während dieses Zeitraums die GEMA-Vergütungen. Beantragen Sie dies schriftlich bei der GEMA: https://www.gema.de/musiknutzer/coronavirus-kundenunterstuetzung/
  • GEZ: Fragen Sie an, ob Ihre Quartalszahlung ausgesetzt werden kann.
  • Valuta nutzen: Rechnungen sollten Sie mit Valuta versehen. Versuchen Sie auch mit Ihren Geschäftspartnern fair und verantwortungsbewusst umzugehen, da auch diese auf Zahlungsströme angewiesen sind
  • Private Kosten: Beantragen Sie Stundungen Ihrer Sozialversicherungsbeiträge. Gegebenenfalls kommen auch Beitragsermäßigung aufgrund eine krisenbedingten Gewinneinbruchs in Betracht. Sprechen Sie mit Ihrer Krankenkasse.
Sprechen Sie uns an, wenn Sie rechtliche Fragen haben:

Thema Vertragsrecht: 
Simone Kaiser-Dietrich, Telefon 0561 7891-390,
E-Mail: kaiser-dietrich@kassel.ihk.de

Thema Arbeitsrecht:
Maureen Edelmann, Telefon 06421 9654-24,
E-Mail:  maureen.edelmann@kassel.ihk.de

Thema Onlinerecht:
Richard Straka, Telefon 0561 7891-315,
E-Mail: straka@kassel.ihk.de


Bleiben Sie mit Ihren Kunden in Kontakt

  • Information zur Erreichbarkeit und gemeinsamer Auftritt: Informieren Sie Ihre Kunden, wie Sie weiterhin für sie erreichbar bleiben (Aushang im Schaufenster, Information auf der Webseite und den sozialen Medien). Vielleicht bietet sich auch in Ihrer Gemeinde ein gemeinschaftlicher Auftritt bzw. eine Auflistung aller geöffneten Betriebe an. Vielerorts sind lokale Initiativen für einen gemeinsamen Onlineauftritt entstanden. Sprechen Sie mit den Gewerbevereinen und Stadtmarketingorganisationen vor Ort. 
  • Versand und Lieferung: Sie können Ihre Waren online oder per Messenger anbieten und entweder per Paketzusteller versenden, in einem bestimmten Radius selbst ausliefern, oder eine Kooperation mit lokalen Lieferdiensten oder mit örtlichen Taxiunternehmern eingehen. Die Auslieferung kann auch gemeinschaftlich mit den Betrieben vor Ort organisiert werden. Achten Sie dabei an die Einhaltung der Vorschriften.
  • Abholung: Ware kann vorab telefonisch oder online bestellt werden und vor Ort abgeholt werden. Achten Sie aber auch hierbei auf die Hygieneregeln und Sicherheitsabstände. 
  • Videokonferenzen: Diese bieten sich für eine Warenpräsentation an. 
  • Pakete schnüren: Stellen Sie Ihrem Kunden bereits Pakete zusammen (Outfits, Homeoffice-Spezial-Angebote, Bücher-Abo oder Schreibwaren-Sets für Schüler)
  • Gutscheine: Kunden können über Ihre Webseite oder telefonisch Gutscheine bestellen. Diese können den Kunden nach Zahlungseingang postalisch zugesendet werden.
  • Social Media: Bauen Sie Ihre Social Media Kanäle aus und werden hier zum Experten oder Unterhalter in einer Nische. Ein zusätzlicher gemeinsamer Kanal der Gewerbetreibenen vor Ort kann zusätzliche Aufmerksamkeit auf die vorhandenen Angebote lenken.
  • Onlineshop: Wenn Sie überlegen einen Onlineshop zu eröffnen, müssen Sie die Regelungen zum Fernabsatz beachten. 
  • Weitere allgemeine Ideen für den Einzelhandel finden Sie im Best-Practice-Leitfaden “Vor Ort erfolgreich bestehen” , herausgegeben vom Hessischen Industrie- und Handelskammertag.

Hygienekonzept

Nach dem Arbeitsschutzstandard des Bundesarbeitsministeriums  gelten klare Grundsätze für das Hygienekonzept in Betrieben. Hier finden Sie Maßnahmen zu Hygiene und Infektionsschutz sowie allgemeine Vorschläge für Unternehmen: Hygienekonzept