Digitales Hessen

Neues Förderprogramm für Firmen

Regionale Unternehmen können ein neues Förderprogramm namens Distr@l nutzen, um unter anderem Produkte und Prozesse zu erproben und zu entwickeln und sich in Wachstumsphasen unterstützen zu lassen. Die hessische Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung, Prof. Dr. Kristina Sinemus, stellte es im Kasseler Messinghof vor. Auf Einladung der IHK Kassel-Marburg und der IKT Region Nordhessen skizzierte sie auch die Digitalstrategie der Landesregierung. „Wir haben uns vorgenommen, Hessen als Vorreiter der Digitalisierung zu etablieren“, sagte sie den 120 Teilnehmern.
 
Herzstück dieser Ansätze ist Distr@l. „Sowohl in seiner Höhe, Breite als auch Tiefe ist unser Programm einzigartig“, betonte Sinemus. Mit einem Volumen von rund 40 Millionen Euro handelt es sich in der hessischen Historie um das größte im Bereich der Digitalisierung. „Wir haben es bewusst breit aufgestellt, um sowohl kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in deren digitaler Transformation, aber auch junge Unternehmen beim Aufbau neuer digitaler Innovationen zu unterstützen“, führte die Ministerin aus. 
Das Programm soll außerdem den Wissens- und Technologietransfer von den Hochschulen in die Unternehmen beschleunigen, bestehende Förderlücken schließen und Gründungen anstoßen. Es gliedert sich in vier Bereiche:  
         
1. Machbarkeitsstudien. Das Fördervolumen für Einzelvorhaben beträgt bis zu 100.000 Euro, die Förderquote bis maximal 50 Prozent. Zielgruppe sind KMU, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die Laufzeit beträgt drei bis zwölf Monate.              
2. Digitale Innovationsprojekte. Gefördert werden das Entwickeln von Prototypen, Systemen oder Verfahren sowie das Optimieren und Entwickeln von Produkten. Das Fördervolumen für Einzel- und Verbundvorhaben beträgt zwischen 100.000 und 500.000 Euro, die Förderquote circa 70 Prozent. Die Laufzeit erstreckt sich von einem Jahr bis zu drei Jahren.
3. WTT-Projekte. Hochschulen können für Technologietransferprojekte zwischen 100.000 und eine Million Euro abrufen, um Wissen und Forschungsergebnisse insbesondere für die Wirtschaft nutzbar und verwertbar zu machen.     
4. Digitale Gründungsförderung. Es gibt zwei Module mit unterschiedlichen Fördervolumen und - quoten. Das erste Modul adressiert Projekte junger Hochschulabsolventen, parallel soll es Ausgründungen anstoßen. Das zweite Modul fördert Einzelvorhaben von Start-ups, damit diese innovative Geschäftsideen mit hohem Wachstumspotenzial   und Sprunginnovationen umsetzen zu können. 
         
Das 2019 gegründete Digitalministerium befindet sich noch im Organisationsaufbau. Doch parallel treiben die circa 80 Mitarbeiter den digitalen Wandel bereits durch konkrete Projekte voran. Einer der Aufträge lautet, die Verwaltungsleistungen zu digitalisieren. Ferner entwickeln sie Services für KMU: Bald sollen beispielsweise Berater für Künstliche Intelligenz (KI) die Arbeit aufnehmen. Diesbezüglich freut sich Sinemus über Rückmeldungen aus dem Mittelstand: „Wir wollen wissen: Ist das, was wir entwickeln, bedarfsgerecht?“  
Den Ausbau der digitalen Infrastruktur gestaltet das Ministerium ebenfalls mit. IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan stellte klar, dass eine hochleistungsfähige Breitbandinfrastruktur das wesentliche Rückgrat für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit bilde. „Zunächst müssen bestehende Lücken im 4G-Netz zügig geschlossen werden“, forderte er. Das weitergehende Ziel laute, die Region flächendeckend mit leistungsfähiger 5G-Infrastruktur zu versorgen. Beim regionalen Mobilfunknetz hapere es: Über 500 Funklöcher meldeten Firmen im Zuge einer Umfrage der IHK. Jordan: „Diese gilt es zu beseitigen.“  
„Wir sorgen mit Hochdruck für den Ausbau einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur, vor allem im ländlichen Raum“, betonte Sinemus. Das Land investiere 320 Millionen Euro, um Abhilfe zu schaffen. Ein Teilbetrag fließe in 300 Mobilfunkmasten, die dort errichtet werden, wo die Privatwirtschaft nicht investiert – vor allem im ländlichen Raum. Die Hessische Landesregierung verfolge entschlossen das Ziel, bis 2025 flächendeckend gigabitfähige Infrastrukturen bereitzustellen.