Brexit und Handelskonflikte treffen regionale Wirtschaft

9. Oktober 2019 – Außenwirtschaftsreport: IHK-Ursprungszeugnisse wirken als Anti-Zoll-Pille
Die zunehmenden Handelskonflikte in der Welt verursachen einen beispiellosen finanziellen und bürokratischen Aufwand, der das globale Geschäft für deutsche Unternehmen immer schwieriger macht. Das zeigt der jetzt vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veröffentlichte Außenwirtschaftsreport 2019.
"Die durch den Brexit entstehenden Herausforderungen treffen auch viele Unternehmen im Bezirk der IHK Kassel-Marburg", kommentiert Dr. Hans-Friedrich Breithaupt (F.W. Breithaupt & Sohn GmbH & Co. KG, Kassel), Vorsitzender des Ausschusses für Industrie und Außenwirtschaft die Untersuchung, die auf den Erfahrungsberichten von Außenwirtschafts-Experten in den 79 Industrie- und Handelskammern (IHKs) basiert: Erstmals seit Gründung der Europäischen Union will mit dem Vereinigten Königreich ein EU-Mitglied den Europäischen Binnenmarkt verlassen – möglicherweise sogar ohne einen geordneten Übergang.
Damit könne über Nacht ein zollrechtliches Verhältnis zum Vereinigten Königreich entstehen wie zu Kambodscha oder der Mongolei, warnt Breithaupt. Neben dem Brexit schlage in der Beratungs- und Leistungspraxis der IHKs aber auch der Handelskonflikt zwischen den USA und China immer stärker durch.
Entsprechend steigt dem Außenwirtschafts-Report zufolge die Nachfrage nach wirksamen Hilfsmitteln gegen immer höhere Zollhürden. So ist die Zahl der von den IHKs ausgestellten Ursprungszeugnisse im vergangenen Jahr auf das Rekordhoch von 1,43 Millionen gestiegen, davon rund 33.000 allein im Bezirk der IHK Kassel-Marburg. Diese Dokumente ermöglichen den Unternehmen gegenüber den Zollbehörden im In- und Ausland einen glaubhaften Nachweis, wo etwa die wesentliche Wertschöpfung ihrer Produkte erfolgt ist. Sie wirken somit wie eine Art "Anti-Zoll-Pille" und können vor potenziellen Strafzöllen schützen.
Breithaupt: "Gerade in einem so schwierigen Marktumfeld wie derzeit sind die IHKs mit ihren jährlich mehr als 530.000 Beratungen erste Ansprechpartner für international ausgerichtete Unternehmen." Die IHK-Organisation greife die Anliegen aus der Wirtschaft auf und setze sich mit konkreten Vorschlägen für die Unternehmen ein, berichtet der IHK-Vizepräsident. "Dazu gehört in diesem Jahr insbesondere die Stärkung der Welthandelsorganisation WTO und die Modernisierung und bessere Nutzung von EU-Handelsabkommen gerade für mittelständische Betriebe."
Ob regionale Unternehmen auf den Brexit vorbereitet sind, können Sie mithilfe einer IHK-Checkliste prüfen unter www.ihk.de/brexitcheck
Wenn regionale Unternehmen ihre Geschäftschancen im Ausland ausloten wollen, hilft Ihnen das IHK-Team International weiter: Norbert Claus, Tel. 0561 7891-279, E-Mail: claus@kassel.ihk.de
Die IHK Kassel-Marburg übernimmt als Körperschaft des öffentlichen Rechts hoheitliche Aufgaben, unter anderem in der Aus- und Weiterbildung sowie beim Erstellen von Exportdokumenten. Ferner ist die IHK Dienstleister für Unternehmen, indem sie zum Beispiel Einstiegsberatungen bei Rechtsfragen erteilt sowie kostenlos Jungunternehmer in spe rund um die Existenzgründung berät. Die IHK steht allen Unternehmen – klein oder groß – in jeder Phase ihrer Existenz mit Rat und Tat zur Seite, von der Gründung über die Turnaround-Beratung bis zur Nachfolge. Außerdem vertritt sie das Gesamtinteresse der regionalen Wirtschaft gegenüber der Politik.