IHK-Regionalversammlung Marburg: Verkehrsanbindung zum Pharmastandort ausbauen


16. Oktober 2019 – Der Verkehr zu den ehemaligen Behringwerken nimmt weiter zu, wodurch zu bestimmten Kernzeiten teilweise erhebliche Staus entstehen. Nach Ansicht der Regionalversammlung Marburg der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg ist es allerhöchste Zeit, Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur zu tätigen, die dem langfristigen Erhalt und dem Ausbau des Wirtschaftsstandorts dienen. 
„Die außerordentlich gute wirtschaftliche Entwicklung der ehemaligen Behringwerke und das damit verbundene Wachstum des Pharmastandorts bringt eine Zunahme des Verkehrsaufkommens in der Marburger Innenstadt mit sich“, erklärt Oskar Edelmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel-Marburg. Die meisten Mitarbeiter reisen mit einem Pkw an. „Es ist sehr erfreulich, dass Marburgs Pharmastandort wächst“, sagt Edelmann. „Dieser guten Entwicklung trägt die Verkehrsanbindung bislang allerdings nicht Rechnung.“ 
Konkret fordern die demokratisch gewählten Unternehmensvertreter den Bau einer Westumfahrung sowie die Realisierung des seit den 1980er-Jahren diskutieren „Behring-Tunnels“ zwischen der Stadtautobahn auf Höhe des Afföller und der Emil-von-Behring-Straße in Marbach. Auch attraktive Radfahrwege zum Industriestandort sollen ein Teil der Lösung sein und möglichst schnell umgesetzt werden. Denn für viele Arbeitnehmer scheint die aktuelle Verkehrssituation zu gefährlich, um mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. 
„Daneben sollten auch innovative Verkehrskonzepte berücksichtigt werden“, mahnt Peter Lather, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Marburg. Für ihn und viele andere Unternehmer ist das autonome vernetzte Fahren in Kombination mit geteiltem Fahren und zukunftsfähigen Antrieben eine der größten Stellschrauben zur Entlastung des Straßenverkehrs sowie für mehr Nachhaltigkeit und Lebensqualität. Bereits im Jahr 2017 ist auf Initiative einer Arbeitsgruppe der IHK Kassel-Marburg für vier Tage ein autonomer Kleinbus auf einer etwa einen Kilometer langen Teststrecke auf dem Gelände der ehemaligen Behringwerke gefahren, um in einem ersten Schritt Erkenntnisse zu den Chancen und Risiken des autonomen Fahrens zu ermitteln. 
Die IHK-Regionalversammlung Marburg hat sich im Dezember 2018 bereits für die Realisierung der geplanten Westumfahrung und den Bau des „Behring-Tunnels“ ausgesprochen. Hierdurch würde der Schwerlastverkehr umgelenkt und das Nadelöhr Nordstadt (Bahnhofstraße/Elisabethstraße/Ketzerbach/
Marbacher Weg) entlastet werden. Gerade mit Hinblick auf die gute wirtschaftliche Entwicklung und die geplanten Erweiterungen Marburg-Görzhausen und Lahntal erscheint eine Neujustierung der Marburger Verkehrswege dringend notwendig. Eine Verkehrsentlastung würde außerdem dem stationären Einzelhandel enorme Vorteile bringen. Als Oberzentrum profitiert Marburg besonders von einpendelnder Kundschaft, die typischerweise mit dem Pkw zum Einkaufen in die Stadt ein- und ausfährt.
Anlass für die erneute Forderung nach einer verbesserten Verkehrsanbindung ist die aktuelle Neufassung des Regionalplans Mittelhessen, über die sich die IHK-Regionalversammlung Marburg in ihrer letzten Sitzung am 18. September informierte. Ein Regionalplan legt als überörtliches, fachübergreifendes Planwerk die Ziele und Grundsätze der Raumordnung für die Planungsregion fest. Im Rahmen der Neuaufstellung des Regionalplans wird ein sehr wichtiger Baustein die künftige Ausweisung von Flächen für Industrie und Gewerbe beziehungsweise auch die Überprüfung der bisherigen Flächen sein. In diesem Zusammenhang spielt auch die Verkehrsführung zu bedeutenden Industriestandorten eine erhebliche Rolle.
Um die hohe Bedeutung der Verkehrsführung zum Pharmastandort für die regionale Wirtschaft zu unterstreichen, wird die IHK-Regionalversammlung Marburg diese Forderungen in die Neuaufstellung des Regionalplans Mittelhessen einbringen.
Das Hessische Landesplanungsgesetz sieht vor, Regionalpläne innerhalb von acht Jahren nach ihrem Inkrafttreten den veränderten Verhältnissen durch Neuaufstellung anzupassen. Der aktuelle Regionalplan Mittelhessen stammt aus dem Jahr 2010; mittlerweile hat die Regionalversammlung Mittelhessen das Regierungspräsidium Gießen als Obere Landesplanungsbehörde und Geschäftsstelle der Regionalversammlung Mittelhessen mit der Neuaufstellung des Regionalplans beauftragt.