Wissenschaftspreis der IHK Kassel-Marburg verliehen


23. Oktober 2019 - Die Ergebnisse seiner Doktorarbeit bestechen sowohl durch konkreten Praxisbezug als auch durch signifikante Verbesserungen: Dr. Thorge Brünig von der Universität Kassel hat erforscht, welche Substanzen und Mittel helfen können, Energie einzusparen und effizienter zu nutzen. Eine Leistung, die die regionale Wirtschaft am Dienstagabend mit dem Wissenschaftspreis der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg gewürdigt hat. Die Auszeichnung ist mit 5.200 Euro dotiert. „Solche Erkenntnisse sind es, von denen wichtige Impulse für die gesamte Region ausgehen“, betont Jurymitglied Markus Strotmann, Vorstandsmitglied der B. Braun Melsungen AG, in seiner Laudatio.
Auch in Folge des Klimawandels steigt der Bedarf an Energie in der Gebäudeklimatisierung und bei industriellen Trocknungsprozessen, skizziert Brünig die Ausgangslage: „Es ist unabdingbar, innovative Konzepte zu finden sowie neue Materialien und Substanzen herzustellen, um Energie zu sparen.“ Der Nanowissenschaftler macht sich die bereits vorhandene Wärmeenergie zunutze und analysiert, wie sich diese effektiver speichern lässt, um sie zielgerichtet im Gebäude zu verwenden.
Bislang kommen im sogenannten Absorber hochkonzentrierte Salzlösungen zum Einsatz, die der Umgebungsluft Wasser entziehen und dadurch Wärme freisetzen. Ein Vorgehen, das nicht optimal ist: Unter anderem wird der kostspielige Rohstoff Lithium benötigt, das Bannen der Korrosionsgefahr verteuert die Anlagen ebenfalls beträchtlich. Um diese Nachteile abzumildern, hat der Träger des Wissenschaftspreises mehrere organische Salzlösungen entwickelt, welche die hohen Anforderungen an Reinheit und chemischer Reaktionsfähigkeit erfüllen und signifikante Verbesserungen für ein effizientes Speichern von Energie mit sich bringen. „Darin zeigt sich wieder einmal die herausragende Bedeutung der Forschungsarbeit an der Universität Kassel“, betonte Strotmann. An konkreten Einsatzmöglichkeiten wird gearbeitet. 
Den mit 1.600 Euro dotierten IHK-Förderpreis vergab die Jury an die Wirtschaftspsychologin Sandra Kunkel für ihre Masterarbeit „Zur Psychologie des Sammelns und Kaufens von Contemporary Art“. Für diese hat sie über 1000 Kunstliebhaber aus einer öffentlich zugänglichen Datenbank selektiert und ergänzt um weitere private Kontakte per Fragebogen kontaktiert. Welche Werte und Überzeugungen liegen ihrem Verhalten zugrunde? Wie stellt sich das Sammeln und Kaufen dar? Und welche Folgen ergeben sich daraus für Praxis und Wissenschaft?
Aus den Antworten hat die Baunatalerin typische Charakterprofile erarbeitet – vom holistischen Sammler über den autonomen und besitzorientierten Sammler bis hin zum kulturell engagierten Sammler. Eine Erkenntnis: Prestige und Investition landen bei den Beweggründen, Kunst zu sammeln, abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Sehr viel bedeutender sind emotionale Werte sowie die Qualität und der ästhetische Rang eines Werks. Die Nachfrage wird ebenso durch Faktoren wie soziale Motive oder die finanzielle Situation beeinflusst.
Kunkel beleuchtet weiter, wie sich die Akteure des Kunstmarkts, darunter Galerien und Museen, auf die verschiedenen Motive und Charaktertypen der Sammler einstellen können – und müssen. Denn wie die Masterarbeit zeigt, hat sich das Handeln und Sammeln von Kunst zu einem blühenden Wirtschaftszweig entwickelt. „Die Preisträgerin hat sich einer Konsumentengruppe angenähert, von der man sagen kann, dass sie ebenso zahlungskräftig wie diskret agiert“, beschreibt Laudatorin Julia Esterer, geschäftsführende Gesellschafterin der Dr.-Ing. Ulrich Esterer GmbH & Co. Fahrzeugaufbauten und Anlagen KG in Helsa.   
Die Jury zeigte sich von der Bandbreite der eingereichten Arbeiten beeindruckt. Unter anderem ging es um die Akzeptanz neuer Technologien, das Optimieren von Werkstoffen und Untersuchungen zu speziellen Materialeigenschaften. „Die Forschungen belegen hervorragend die Qualität und den Praxisbezug der Lehre“, lobte Esterer. 
Zu Beginn der Feierstunde hielt Universitätsprofessor Dr.-Ing. Andreas Kroll einen Impulsvortrag über die Chancen und Fallstricke technischer Daten im Zuge der digitalen Transformation. Auf Innovation als gemeinsame Triebfeder von Wissenschaft und Wirtschaft verwies IHK-Vizepräsident Dr. Friedrich von Waitz: „Was wir heute mehr denn je brauchen, sind neue Ideen, neue Methoden, neue Perspektiven.“ Die beeindruckende dynamische Entwicklung der Region sei auch ein Verdienst der Universität Kassel mitsamt ihren zahlreichen Verbindungen zu regionalen Betrieben. Dr. von Waitz: „Diese Zusammenarbeit haben die IHK Kassel-Marburg und die Universität in den vergangenen Jahren durch eine große Zahl an Arbeitskontakten, Diskussionsrunden und Veranstaltungen noch einmal intensiviert.“      
Die Vergabe des IHK-Wissenschafts- und Förderpreises ist seit 1984 ein wichtiges Gemeinschaftsprojekt, das für die enge Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft in Nordhessen steht. In diesem Jahr hatte die Jury insgesamt 18 Arbeiten zu begutachten.