Konjunkturumfrage: Abkühlung des Welthandels hinterlässt Spuren

1. November 2019 – Industrie vermeldet deutlichen konjunkturellen Rückgang mit Beschäftigungsabbau, Handel in Erwartung des Weihnachtgeschäftes positiv gestimmt.
Aus der Herbstumfrage 2019 lassen sich drei wesentliche Erkenntnisse für den IHK-Bezirk Kassel-Marburg gewinnen:  
  • Die aktuelle Lage ist nach wie vor gut, wenn auch deutlich zurückhaltender.
  • Ein aktuell hoher Beschäftigungsstand sorgt darüber hinaus weiterhin für eine anhaltend gute Verbraucherstimmung und stützt die aktuelle Konjunktur.
  • Die Aussichten trüben sich ein: Nach den starken Jahren des Wachstums in den vergangenen Jahren rechnen die Unternehmer für die kommenden Monate mit schlechteren Geschäften.
Der IHK-Klimaindikator liegt mit 101,6 Punkten (Vorjahr 122 Punkte) nur noch knapp im positiven Bereich. „Die internationalen Handelsstreitigkeiten dominieren das Wirtschaftsklima und bremsen Handel und Wachstum aus. Hinzu kommen gravierende strukturelle Herausforderungen der Industrie“, so Jörg Ludwig Jordan, Präsident der IHK Kassel-Marburg.
Die Wirtschaftslage in Nordhessen und Marburg hat sich im Vergleich zum Vorjahr eingetrübt und spiegelt damit auch den Verlauf der Geschäftserwartungen der zurückliegenden Quartale wider. Die aktuelle Geschäftslage wird von 31,9 Prozent (Vorbericht 39,4 %; Vorjahr: 45,5 %) der Unternehmen als gut bewertet. Gleichbleibend unverändert sehen 55 Prozent der Befragten die aktuelle Lage und 13,1 Prozent (Vorbericht 6,5 %; Vorjahr 6,4 %) sind mit der Lage nicht zufrieden.
Insgesamt haben sich 413 Unternehmen an der Umfrage beteiligt.
Die Erwartungen an die kommenden Monate haben sich verschlechtert: 13,5 Prozent der Unternehmen (Vorbericht 18,4 %, Vorjahr 16,0 %) rechnen mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung, 59,8 Prozent (Vorbericht 61,3 %, Vorjahr 75,1 %) erwarten keine Veränderung und 26,7 Prozent (Vorbericht. 20,3 %, Vorjahr 8,9 %) rechnen mit einer ungünstigen zukünftigen Entwicklung.
Die schlechteren Zukunftsaussichten spiegeln sich auch in den Investitionsplänen und Beschäftigungsplanungen der heimischen Betriebe wider. Es zeigt sich doch, dass die hohe Dynamik der geplanten Investitionen zurückgeht. Das Hauptmotiv für Investitionen ist aktuell der Ersatzbedarf.
Hinsichtlich der Beschäftigtenzahlen gehen 20,4 % von fallenden Beschäftigtenzahlen aus und 15,9 % der Unternehmen von einer steigenden Beschäftigtenzahl. 63,7 % gehen von einer gleichbleibenden Beschäftigtenzahl aus. Der Fachkräftemangel wird aber nach wie vor zu den größten konjunkturellen Risiken gezählt. 45,4 % der Betriebe geben an, dass sie offene Stellen nicht nachbesetzen können.
Der Abschwung der Industrie hat sich im dritten Quartal fortgesetzt. Der Klimaindex fällt kräftig auf 95,9 Punkte (Vorbericht 117,1 Punkte, Vorjahr 127,6 Punkte) Das Auftragspolster des langen Aufschwungs scheint aufgebraucht zu sein. Die anhaltenden Handelsstreitigkeiten bieten den exportabhängigen Betrieben keine guten Rahmenbedingungen. Zudem bestehen im Bereich Automotiv große Unsicherheiten. Die Investitions- und Personalplanungen der Industrie wurden infolgedessen gekürzt.
Das Hoch der Bauwirtschaft hält auch im Herbst an und wird so schnell nicht zu Ende gehen. Die ausgelasteten Kapazitäten treffen auf eine unverändert hohe Nachfrage in allen Baubereichen. Die Aussichten für die kommenden Monate werden aber auch im Baugewerbe vorsichtiger. Dies hängt naturgemäß natürlich auch mit den kommenden Wintermonaten zusammen.
Die Verbraucher zeigen sich vom Abschwung der Industrie bisher noch unbeeindruckt. „Der Zuwachs an Arbeitsplätzen und steigende Einkommen haben die Nachfrage stabil gehalten. Der Konsum brummt“, so IHK-Präsident Jordan. Der Einzelhandel ist der Gewinner der aktuellen Umfrage. Der Klimaindex steigt auf 122,3 Punkte (Vorbericht 109,4 Punkte, Vorjahr 116,0 Punkte).
Die Schwäche der Industrie hat jetzt naturgemäß auch das Verkehrsgewerbe erreicht. Das Beförderungsvolumen ist rückläufig, und die Aussichten werden zunehmend ungünstig beurteilt.
Die erneuten Zinssenkungen der EZB trüben bei den Banken und Sparkassen die Geschäftsaussichten. Statt einer allmählichen Normalisierung der Zinsen hat der Druck auf die Margen der Kreditinstitute wieder kräftig zugenommen. 71,4 Prozent (Vorbericht 30,8 %) der Banken und Sparkassen rechnen mit schlechteren Geschäften.
Die Dienstleistungsunternehmen wurden vom Abschwung der Industrie im dritten Quartal ebenfalls voll erfasst.
Ausblick
„Die Konjunktur tut sich in einem schwierigen internationalen Umfeld schwer. Protektionismus und noch immer nicht absehbare Folgen eines Brexits verunsichern die Märkte. Positive Impulse aus dem Ausland sind aktuell nicht erkennbar. Die Vereinigten Staaten und China nehmen die Plätze 1 und 3 unter den deutschen Exportmärkten ein. Daher ist es wichtig, dass Deutschland ein attraktiver Standort für die Unternehmen bleibt. Dazu zählt in erster Linie ein wettbewerbsfähiges Steuersystem und ein zügiger Ausbau in die digitale Infrastruktur.“, so Jörg Ludwig Jordan.