IHK-Umfrage: Digitalisierung entscheidet über den Geschäftserfolg

31. Januar 2020 – IHK hat regionale Firmen befragt: Digitalisierung entscheidet über den Geschäftserfolg, das Know-how entpuppt sich als Engpass, Breitband-Ausbau hat hohe Priorität
  • Die Digitalisierung über alle Geschäftsbereiche wird als Grundlage für den unternehmerischen Erfolg gesehen. Den größten Handlungsbedarf sehen die regionalen Unternehmen darin, Geschäftsprozesse zu digitalisieren.
  • Der Ausbau der Breitbrand-Infrastruktur hat eine hohe Priorität.
  • Know-how sowie persönliche und zeitliche Ressourcen sind die Engpässe beim Realisieren von Digitalisierungsmaßnahmen.
  • Bei Unterstützungsangeboten sind vor allem Finanzierungsmöglichkeiten und Förderprogramme gefragt. 
  • Das Potenzial von Hochschulen oder Forschungsinstituten für Digitalisierungskooperationen nutzt das Gros der Unternehmen bislang nicht. 
Die Digitalisierung entscheidet über den Geschäftserfolg der regionalen Wirtschaft. Knapp 84 Prozent der Unternehmen in Nordhessen und dem Altkreis Marburg messen ihr eine große, wenn nicht sogar zentrale Bedeutung bei. Allerdings hapert es an den Voraussetzungen, wie eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg ergeben hat. Verfügbare Fachkräfte mit dem entsprechenden Know-how entpuppen sich immer mehr als Engpass: 68 Prozent sagen, der Zugang zu diesen sei „nicht besonders gut“ oder „überhaupt nicht gut“.  
„Qualifizierung in der Aus- und Weiterbildung ist das A und O für eine erfolgreiche Digitalisierung“, betont IHK-Hauptgeschäftsführerin Sybille von Obernitz. „Sie erfordert ein breites Spektrum an Maßnahmen.“ Dazu zählten ein frühzeitiges Heranführen von Schülern und Auszubildenden an Digitalthemen, das Anpassen von Berufsausbildung und Studiengängen an digitale Erfordernisse bis hin zum Aufbau von zielgerichteten Weiterbildungsangeboten. „Als IHK sehen wir uns in der Pflicht, entsprechende Qualifizierungsangebote mit zu entwickeln, voranzutreiben und umzusetzen“, ergänzt Sybille von Obernitz. Beispielsweise habe die IHK dabei geholfen, den noch jungen Ausbildungsberuf „Kaufleute für E-Commerce“ in der Region zu etablieren, und im vergangenen Herbst einen Leucht-turm-Kongress zur digitalen Bildung realisiert – für dieses Jahr ist eine Neuauflage geplant. Darüber hinaus befinden sich Weiterbildungsangebote in Kooperation mit Weiterbildungsanbietern im Aufbau, wie etwa zur Fachkraft Industrie 4.0 oder zum 3D-Druck (Metall).
Neben den Köpfen entscheiden die Datenanbindungen über den Erfolg des Unternehmens und des Wirtschaftsstandorts. 85 Prozent der befragten regionalen Firmen räumen dem Ausbau der Breitband-Infrastruktur eine zumindest hohe Priorität ein. Aktuell bewertet jeder zweite Betrieb den Zugang zu jener noch als „gut“ bis „sehr gut“. Mit Blick auf 5G und unversorgte Gebiete im ländlichen Raum hält die IHK-Hauptgeschäftsführerin fest: „Ein beschleunigter Zugang zu hinreichend schnellem Internet ist unabdingbar, um Geschäftsprozesse digitalisieren zu können.“ Überrascht hat sie, dass nach Einschätzung der Unter-nehmen die Digitalisierung in der Produktion mit 14,6 Prozent als eher unbedeutend angesehen wird. Die Segmente Vertrieb, Beschaffung und Logistik seien für die Befragten relevanter.
Hinsichtlich der erforderlichen Ressourcen mangelt es laut der IHK-Digitalumfrage in den regionalen Unternehmen vor allem an persönlichen und zeitlichen Ressourcen (66 Prozent). Die größte Notwendigkeit für Unterstützungsangebote wird bei Finanzierungsmöglichkeiten und Förderprogrammen gesehen. „Es bedarf staatlicher Fördermaß-nahmen, die geeignet sind, Digitalisierungsprojekte insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen in Gang zu setzen“, resümiert Sybille von Obernitz. Als wichtiges Instrument habe sich der sogenannte Digi-Zuschuss Hessen erwiesen. 
Handlungsbedarf besteht bei regionalen Händlern, Dienstleistern und Industriebetrieben vor allem im Digitalisieren von Geschäftsprozessen, dem Ausbau technologischer Kompetenzen sowie in der Innovationsfähigkeit. Kooperationen gehen Firmen eher mit Beratern, Lieferanten und Kunden ein. Am stärksten arbeiten sie mit IT-Unternehmen zusammen. Das Potenzial von Hochschulen oder Forschungsinstituten nutzt das Gros hingegen nicht (59 Prozent). „Kooperationen in diesem Bereich stellen einen großen Hebel gerade für kleine Mittelständler dar, um effizient und kostengünstig Digitalisierungspotenziale zu heben“, wirbt die IHK-Hauptgeschäftsführerin. 
Regionale Akteure wie Kammern, Verbände, Wirtschaftsförderer und Regionalmanagement bieten Plattformen für den Austausch an. Abwechslungsreiche Informationsangebote gehören ebenfalls zum Produktportfolio. Gefragt sind laut Umfrage „Branchenspezifische Informations- und Vernetzungsveranstaltungen“, „Weiterbildungsangebote zu digitalen Technologien (z.B. Cloud, Big Data, Social Media)“ sowie „Informations- und Beratungsangebote zu IT-Sicherheit und Datenschutz“. So ist am 6. Februar die hessische Staatsministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus in Kassel zu Gast, um Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Digitalisierung der regionalen Wirtschaft aufzuzeigen. Eingeladen hat die IHK Kassel-Marburg in Kooperation mit der IKT-Region Nordhessen, zu der das Regionalmanagement, das IT-Netzwerk, der Science Park Kassel, die regionalen Wirtschaftsfördergesellschaften und die Handwerkskammer gehören.
Insgesamt haben 123 Unternehmen aus Nordhessen und dem Altkreis Marburg an der Umfrage der IHK Kassel-Marburg teilgenommen – das älteste ist 256 Jahre alt, das jüngste zwei Jahre. 
Mehr Informationen zum digitalen Wandel - unter anderem über neue Technologien, IT-Sicherheit und Förderprogramme - gibt es unter www.ihk-kassel.de/digitalisierung
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg übernimmt als Körperschaft des öffentlichen Rechts hoheitliche Aufgaben, unter anderem in der Aus- und Weiterbildung sowie beim Erstellen von Exportdokumenten. Ferner ist die IHK Dienstleister für Unternehmen, indem sie zum Beispiel kostenlos Einstiegsberatungen bei rechtlichen Fragen erteilt sowie kostenlos Jungunternehmer in spe rund um die Existenzgründung berät. Die IHK steht allen Unternehmen – klein oder groß – in jeder Phase ihrer Existenz mit Rat und Tat zur Seite, von der Gründung über die Turnaround-Beratung bis zur Nachfolge. Außerdem vertritt sie das Gesamtinteresse der regionalen Wirtschaft gegenüber der Politik.