Ergebnisse der ersten DIHK-Blitzumfrage

Coronavirus: Unternehmen erwarten Umsatzrückgang


13. März 2020 – Messebetriebe, Reisewirtschaft und Gastgewerbe sind besonders stark betroffen: Während bundesweit mehr als jedes zweite Unternehmen bereits Auswirkungen auf seine Geschäfte spürt, sind es im IHK-Bezirk Kassel-Marburg 45,6 Prozent. Das hat eine Umfrage aller 79 Industrie- und Handelskammern (IHK) unter mehr als 10.000 Betrieben aus allen Regionen und Branchen ergeben, aus Nordhessen und dem Altkreis Marburg haben sich über 220 Unternehmen beteiligt. 39,7 Prozent der regionalen Wirtschaft rechnet mit einem Umsatzrückgang für dieses Jahr, im bundesweiten Schnitt sind es 47,2 Prozent.   
„Das Virus treibt nicht nur Großbetriebe um: 45 Prozent der regionalen Umfrageteilnehmer haben weniger als 20 Beschäftigte“, berichtet Jörg Ludwig Jordan, Präsident der IHK Kassel-Marburg. „Die Absagen von Messen und Veranstaltungen, Reiseeinschränkungen, krankheitsbedingte Ausfälle sowie eine geringere Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen wirken sich aus und können gerade für kleine und mittlere Unternehmen und sogar für gesamte Branchen zur existenziellen Gefahr werden – und das, obwohl sie kerngesund und unverschuldet in diese prekäre Situation geraten sind.“
Bundesweit rechnet  mehr als  ein Viertel der Unternehmen sogar mit einem Umsatzeinbruch von mehr als zehn Prozent, in der Region sind es 16,6 Prozent. Mit Blick auf die Importländer richtet sich der Blick im Moment besonders nach China, Italien und Südkorea – mit Folgen für internationale Lieferketten. „Problematisch wird es, wenn regionale Unternehmen keine Alternativen haben, auf ein anderes Importland oder das Inland umzustellen“, sagt Jordan.
Neben dem Beschaffen von Medizin- und Hygiene-Material (39,5 Prozent) hat fast jedes dritte Unternehmen in Nordhessen und dem Altkreis Marburg Reisetätigkeiten eingeschränkt (31,1 Prozent) sowie Messen und Veranstaltungen abgesagt (29,4 Prozent), um seine Mitarbeiter zu schützen. Jedes fünfte hat einen Notfallplan, falls es zu einem Krankheitsfall im Betrieb kommt (21,9 Prozent). 
Informationsbedarf melden regionale Betriebe vor allem zur staatlichen Lohnerstattung nach dem Infektionsschutzgesetz an (61,4 Prozent), gefolgt von Fragen zum Umgang mit Verdachtsfällen beziehungsweise Infizierten (52,8 Prozent). Knapp jedes dritte Unternehmen interessiert sich dafür, wie ein innerbetrieblicher Pandemieplan erstellt wird; etwa jedes Vierte für Rücktrittsbedingungen bei abgesagten Messen und Veranstaltungen. 23,3 Prozent möchten mehr über das Kurzarbeitergeld erfahren. „Bei möglichen Maßnahmen zur Unterstützung halten regionale Unternehmen insbesondere unbürokratische Verfahren und finanzielle Überbrückungshilfen für erforderlich“, schildert Jordan. „Im Falle eines Konjunktureinbruchs regen sie an, Strukturreformen vorzuziehen.“
Weil die besonders betroffenen Branchen in einem bislang nicht gekannten Umfang flächendeckende Stornierungen auffangen müssen, fordert der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Dr. Eric Schweitzer, die Bundesregierung zu schnell wirksamen Sofortmaßnahmen auf: „Wenn in extrem kurzer Zeit die Hälfte des Umsatzes weg bricht, aber fast alle Ausgaben weiterlaufen, können das sehr viele Betriebe nicht lange durchhalten. Zeitnahe Hilfen für krisengeschüttelte Unternehmen und ihre Beschäftigten fangen nicht nur den einzelnen Betrieb auf, sondern sind auch ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung der Gesamtwirtschaft.“ Die Initiative beim Kurzarbeitergeld ist nach den Worten Schweitzers der richtige Schritt. 
„Aktuell zählt jeder Cent, der in den Unternehmen bleiben kann. Das gilt für Klein-Betriebe genauso wie für mittelständische Familienunternehmen und Großkonzerne“, verdeutlicht Schweitzer. So sollten Unternehmen ihre in diesem Jahr anfallenden Verluste sofort mit anstehenden Steuernachzahlungen für die Vorjahre verrechnen können. Außerdem sollten die Finanzämter die fälligen Vorauszahlungen bei den Ertrag- und Umsatzsteuern sofort für einige Monate zinsfrei stunden, empfiehlt der DIHK weiter. „Wo aktuell kein Ertrag ist, sollte erst mal nichts abgeführt werden müssen. Wir sollten das alles über einfache Pauschalregelungen machen, um gefährliche Engpässe zu vermeiden“, schlägt Schweitzer vor. Dieser Grundsatz gelte für alle Sofortmaßnahmen: „Vieles, was für normale Zeiten entwickelt worden ist, wird in der Krise nicht funktionieren. Anträge, die erst gestellt, komplett bearbeitet und bewilligt werden müssen, binden Ressourcen, über die auch die Behörden kurzfristig nicht verfügen.“
„Wir müssen sehr entschlossen handeln – und dann in den nächsten Wochen immer wieder gezielt da nachlegen, wo sich neue Sollbruchstellen für unsere Unternehmen infolge der Corona-Krise ergeben“, betonen Schweitzer und Jordan. In der aktuell schwierigen Phase komme es auf eine ausgewogene Mischung aus Besonnenheit, Verantwortung und Zuversicht an: „Wenn wir an einem Strang ziehen, können wir aus dieser schwierigen Situation auch wirtschaftlich wieder gesund herauskommen.“
Wichtige Informationen und Ansprechpartner für Unternehmen hat die IHK unter www.ihk-kassel.de/corona zusammengestellt. 
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg übernimmt als Körperschaft des öffentlichen Rechts hoheitliche Aufgaben, unter anderem in der Aus- und Weiterbildung sowie beim Erstellen von Exportdokumenten. Ferner ist die IHK Dienstleister für Unternehmen, indem sie zum Bei-spiel kostenlos Einstiegsberatungen bei rechtlichen Fragen erteilt sowie kostenlos Jungunternehmer in spe rund um die Existenzgründung berät. Die IHK steht allen Unternehmen – klein oder groß – in jeder Phase ihrer Existenz mit Rat und Tat zur Seite, von der Gründung über die Turnaround-Beratung bis zur Nachfolge. Außerdem vertritt sie das Gesamtinteresse der regionalen Wirtschaft gegenüber der Politik.

Das vollständige Ergebnis der DIHK-Umfrage zur Corona-Krise finden Sie hier.