IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan: Statement zum Konjunkturpaket

5. Juni 2020 – In unseren IHK-Blitzumfragen stellen wir fest, dass uns die ökonomischen Auswirkungen der Corona-Pandemie wohl noch länger beschäftigen werden. Gemäß der jüngsten Mai-Umfrage rechnen 78,4 Prozent der 236 antwortenden Unternehmen aus Nordhessen und dem Altkreis Marburg in diesem Jahr mit zurückgehenden Umsätzen. Jedes Dritte erwartet eine normale Geschäftslage erst wieder für Ende 2021.
Vor diesem Hintergrund handelt es sich um einen wichtigen Impuls des Konjunkturpakets, dass die Mehrwertsteuer temporär von 19 auf 16 beziehungsweise von sieben auf fünf Prozent gesenkt wird. Das ist ein Hebel, der in voller Breite wirkt: Neben allen Wirtschaftszweigen profitieren auch alle Verbraucher. Gleiches gilt für die schrittweise Absenkung der EEG-Umlage - unser Wirtschaftsstandort schultert mit die höchsten Energiepreise in Europa.      
Das Ausweiten des Verlustrücktrags und eine zusätzliche Überbrückungshilfe für besonders stark betroffene kleine und mittlere Unternehmen hilft eigentlich kerngesunden und unverschuldet in Not geratenen Firmen dabei, dass sie liquide bleiben. Sehr positiv ist, dass auch Investitionsanreize für die Zukunft gesetzt werden wie durch die degressive Abschreibung und die ausgeweitete Forschungsförderung. Damit hat sich die Bundesregierung viele Forderungen unserer IHK-Organisation zu eigen gemacht. Ziel aller Maßnahmen ist es, Insolvenzen zu vermeiden und die Basis unseres Wirtschaftsstandorts zu bewahren, damit der erhoffte Aufschwung auch nachhaltig gelingt.  Wir begrüßen auch sehr nachdrücklich, dass die Regierungskoalition die Europäisches Ratspräsidentenschaft nutzen möchte, um ein Programm zu Entbürokatiserung , zur Beschleunigung des Planungsrechts und die Vereinfachung des Vergaberechts anstoßen möchte. Eine Anpassung der Schwellenwerte für beschränkte Ausschreibungen und freihändige Vergaben fördert das Investitionsklima.
    
Ein wichtiges Signal für Ausbildungsbetriebe und Auszubildende ist die geplante Unterstützung der Ausbildungsaktivitäten. Das eröffnet auch Betrieben mit akuten Liquiditätsproblemen die Chance, die Ausbildung von jungen Fachkräften fortzusetzen. Um die Situation auf dem regionalen Ausbildungsmarkt zu stabilisieren, hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg ein umfangreiches Beratungs- und Informationsprogramm aufgebaut. Es trägt den Titel „Ausbildung 2020! Perfect Match #GemeinsamDurchstarten“. Um gezielt zu beraten und zu vermitteln, hat die IHK eine Berufsorientierungs-Hotline eingerichtet (Tel. 0561 7891-300), über die sich Eltern und Schüler täglich zwischen 9 und 17 Uhr beraten lassen können. Ebenfalls melden können sich Unternehmen, denen es Probleme bereitet, Vertragsverhältnisse mit Auszubildenden aufrecht zu erhalten, oder die sich unsicher sind, ob sie ab Sommer ausbilden sollen. Parallel bietet die IHK virtuelle Lernangebote zum Thema Berufsorientierung an, unter anderem Webinare. Eine Übersicht gibt es unter www.ihk-kassel.de/veranstaltungen