Regionale Firmen setzen auf stärkere Digitalisierung

10. Juli 2020 – Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung einen kräftigen Schub verliehen: 44 Prozent der Betriebe in Nordhessen und dem Altkreis Marburg wollen nach einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg verstärkt auf die Digitalisierung setzen, um der Krise zu begegnen - womit die Anforderungen an eine leistungsstarke digitale Infrastruktur massiv wachsen.
Um den Wirtschaftsstandort zukunftssicher aufzustellen, ist es laut IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan „ein elementarer Fortschritt, dass durch die Netcom Kassel in den nordhessischen Kreisen Kassel, Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner das europaweit einmalige Breitbandprojekt in Betrieb genommen wurde. Jetzt gilt es, die nächsten Schritte zu machen, vor allem beim flächendeckenden Beseitigen von Funklöchern sowie dem projektbezogenen Anbinden von Industrie- und Geschäftskunden mit direkter Glasfaserleitung“, sagt Jordan. Das hatte der IHK-Präsident auch bei einem Treffen mit der hessischen Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus und Kathrin Laurier von der Breitband Nordhessen GmbH zu Jahresbeginn im Kasseler Messinghof deutlich gemacht und dabei aber auch die bereits erzielten Fortschritte beim Netzausbau ausdrücklich anerkannt.
Jordan bedankt sich bei allen beteiligten Akteuren, die den Breitbandausbau in den 570 nordhessischen Ortsteilen so tatkräftig und schnell vorangetrieben haben. „Doch dass diese Infrastruktur nun verfügbar ist, heißt nicht, dass auch jedes Unternehmen einen hinreichend schnellen Internetanschluss hat“, betont er. Gespannt ist der IHK-Präsident auf das Ergebnis der von der Netcom angestoßenen Prüfung, ob das Nordhessencluster-Netz mit sogenannter Supervectoring-Technik auf bis zu 250 Mbit/s aufgerüstet werden kann. Aktuell sind bis zu 100 Mbit/s möglich. Jordan: „Am Ende wird trotz Vectoring und Supervectoring auf den letzten Metern des noch verbliebenen Kupferkabels nur die Glasfaserleitung in jedes Gebäude zukunftssicher sein.“ 

Neben dem zügigen Schließen bestehender Lücken im 4G-Netz (LTE) benötige Nordhessen ein leistungsfähiges Mobilfunknetz, stellt Jordan klar. „Das Ziel lautet, eine flächendeckende Versorgung mit leistungsfähiger 5G-Infrastruktur herzustellen.“ Über 500 Funklöcher haben regionale Unternehmen im Zuge einer Umfrage der IHK Kassel-Marburg gemeldet. „Als Flächenkammer haben wir natürlich immer die Belange des ländlichen Raumes und seine digitale Infrastruktur im Auge, um im Wettbewerb der Regionen und international konkurrenzfähig zu bleiben“, sagt Jordan. „In Namibia und Island gehört ein lückenloser 4G-Empfang zum Mindeststandard – und das in Wüste und Eis, wo kaum ein Mensch zugegen ist.“         

Hilfreich sei es, die Dauer von Genehmigungsverfahren für den Bau von Mobilfunkmasten zu verkürzen. Regulierung, Frequenzpolitik und finanzielle Förderung sollten konsequent auf eine flächendeckende Versorgung mit digitalen Infrastrukturen ausgerichtet werden. „Gerade in der Industrie sind Maschinen- und Anlageinvestitionen stark auf digitale Anwendungen und das Automatisieren der Produktion ausgerichtet“, erläutert Jordan. „Auch für autonomes und vernetztes Fahren ist 5G essenziell.“    

Um Hessen als Vorreiter der Digitalisierung zu etablieren – das ambitionierte Ziel hatte die Digitalministerin beim Treffen mit Jordan und Laurier formuliert – sei es eine richtige und wichtige Entscheidung des Landes gewesen, ein selbstständiges Digitalministeriums aufzubauen.