Gründerreport 2020 veröffentlicht

1. September 2020 – Nach Jahren mit stetig abnehmendem Gründungsgeschehen zeigte sich 2019 erstmals wieder ein Anstieg. Da es gleichzeitig weniger Gewerbeabmeldungen gab, fiel der Gründungssaldo deutlich positiver aus als in den Vorjahren. Dabei rückt zunehmend das Thema Nachfolge in den Blickpunkt. Das geht aus dem Gründerreport 2020 hervor, mit dem der Hessische Industrie- und Handelskammertag e. V. und die Arbeitsgemeinschaft der hessischen Handwerkskammern das Gründungsgeschehen in Hessen im Jahr 2019 und ihre Leistungen für Gründer darstellen.
Das Gründungsgeschehen findet begünstigt durch Nähe zu Kunden, Auftraggebern, Lieferanten und Netzwerken maßgeblich in Ballungsräumen und Städten statt. Über die Hälfte der Firmen wurde im Bereich der IHKs wie bereits 2018 in den Wirtschaftszweigen Erbringung von wissenschaftlichen, technischen und sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, Handel und Baugewerbe gegründet. Im Handwerk lagen die Schwerpunkte in den Handwerksgruppen Ausbaugewerbe, mit großem Abstand gefolgt von persönlichen Dienstleistungen und Handwerke für den gewerblichen Bedarf. Dreiviertel der Gründungen erfolgen als Einzelunternehmen. Bei Kapitalgesellschaften ist eindeutig die GmbH am beliebtesten. 32 Prozent der Gründer von Einzelunternehmen haben eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. 36 Prozent der Einzelunternehmen wurden von Frauen gegründet. 11,9 Prozent der Beratenen gründeten 2019 aus der Arbeitslosigkeit heraus. Circa 9,4 Prozent wollten ein bestehendes Unternehmen übernehmen.
Im Unterschied zu anderen Akteuren bieten IHKs und HWKs den Gründungsinteressenten seit Jahren ein hochwertiges, stark nachgefragtes Leistungsangebot an. Die beiden Organisationen haben 2019 in Hessen 17.700 Beratungsgespräche geführt und 13.600 Veranstaltungsteilnehmer im Gründungsbereich betreut. In 750 Fällen wurde mit Gutachten geholfen. Die Gründungswerkstatt Hessen, zu finden unter www.gruendungswerkstatt-hessen.de, ist ein leistungsfähiges Werkzeug. Die Online-Angebote werden ständig ausgebaut. Besonderer Vorteil ist die immer vorhandene Nähe zur persönlichen Unterstützung durch einen Berater der HWK oder IHK.
Die Gründungsberater der IHK Kassel-Marburg gaben im Jahr 2019 insgesamt 1400 telefonische oder persönliche Auskünfte (2018: 1231). Die persönlichen Beratungstermine stiegen von 501 auf 523. Regional betrachtet haben bei den telefonischen oder persönlichen Auskünften durch die IHK-Gründungsberater Stadt und Landkreis Kassel mit 760 Kontakten (2018: 674) sowie der Landkreis Waldeck Frankenberg mit 233 (2018: 145) und Marburg mit 230 Kontakten (2018: 199) die Nase vorn. Es folgen die Landkreise Hersfeld-Rotenburg (2019: 85 / 2018: 105), Werra-Meißner (2019: 53 / 2018: 53) und Schwalm-Eder (2019: 39 / 2018: 55).
Bei den ausführlichen Beratungsgesprächen mit den IHK-Fachleuten vor Ort zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. 190 Termine sind in Stadt und Landkreis Kassel vereinbart worden (2018: 145), 107 in Marburg (2018: 104). Auf Waldeck-Frankenberg entfielen 85 persönliche Treffen (2018: 81), gefolgt von Hersfeld-Rotenburg mit 58 (2018: 79). Im Werra-Meißner-Kreis lag der Wert bei 48 (2018: 45), in Schwalm-Eder bei 35 (2018: 47). Alle Kommunen eint, dass die meisten Gründungsinteressierten sich mit weitem Abstand in den Dienstleistungsbranchen oder im Handel selbstständig machen wollen.  
Zur Belebung des Gründungsgeschehens muss jungen Menschen bereits in der Schule der optionale Weg in die Selbstständigkeit verbunden mit einem positiven Unternehmerbild vermittelt werden. Dabei sollte ein Fokus der Politik auf dem ländlichen Raum und der Thematik Nachfolge liegen. Begleitet werden sollte dies durch die flächendeckende Bereitstellung von leistungsfähiger Breitband-infrastruktur, um in allen Landesteilen datenbasierte Gründungen zu fördern. Frauen sollten ermutigt werden, zu gründen oder ein Unternehmen zu übernehmen. Die Vereinbarkeit von Familie und Selbstständigkeit muss durch Schaffung von Infrastruktur zur Kinderbetreuung und bedarfsgerechten Angeboten verbessert werden.
Durch die Corona-Pandemie wird das Jahr 2020 sicher auch im Gründungsgeschehen deutliche Veränderungen erfahren, wobei sich aus der schwierigen, von Unsicherheit geprägten Situation heraus auch Chancen für Gründungen mit interessanten Dienstleistungen und Produkten ergeben werden. Die HWKs und IHKs werden auch diesen Gründern bei ihrem Start wertvolle Hilfe geben.
Der Gründerreport Hessen 2020 steht unter www.ihk-kassel.de/gruenderreport_2020 zum Download zur Verfügung.