3. März 2021

IHK-Konjunkturumfrage: Industrie stabilisiert Lage

Die derzeitige Geschäftslage beschreiben rund 43 Prozent der befragten Unternehmer noch als befriedigend. Von einer eher negativen konjunkturellen Lage gehen rund 28 Prozent aus. Der Anteil der Unternehmen mit einer guten aktuellen Geschäftslage hat sich von 26 auf knapp 29 Prozent verbessert. Der IHK-Klimaindex, der sich aus der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage und den zukünftigen Erwartungen zusammensetzt, steigt aktuell auf 95,7 Punkte (Herbstumfrage 90,5 Punkte). Die Umfrage wurde in der Zeit von Dezember 2020 bis Januar 2021 durchgeführt.
Während der industrielle Sektor mit seiner internationalen Ausrichtung positive Zahlen meldet, haben sich die Bewertungen im Handel, in der Gastronomie und im Dienstleistungssektor weiter verschlechtert. „Die Rückkehr zu einer normalen Geschäftstätigkeit wird für viele Branchen noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Nur jedes fünfte Unternehmen geht von einer eher günstigen zukünftigen Geschäftslage aus. Rund 31 Prozent glauben, dass diese sich weiter verschlechtern wird. Die Gesamtsituation für die konsumtiven Branchen wie Gastronomie und Handel bleibt schwierig“, sagt IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan. Der Präsident fordert die Betriebe auf, sich rechtzeitig an die IHK zu wenden. „Wir bieten umfangreiche Beratungsleistungen an. Insgesamt haben wir in den vergangenen Monaten rund 6.000 Beratungsgespräche geführt. Zwischen Mai und Dezember haben unsere Experten etwa 1.700 Beratungsgespräche allein zum Antragsverfahren zur Mikroliquidität geführt. 956 Anträge sind bei uns eingegangen, 724 haben wir bestätigt. Die WIBank hat 691 dieser Anträge bewilligt.“ 
Negativ beurteilt erwartungsgemäß das Gastgewerbe die derzeitige Lage. Der IHK-Klimaindex fällt auf 29 Punkte (Vorjahr: 104 Punkte). Der Einzelhandel vermeldet 87 Indexpunkte (Vorjahr: 107). Dabei ist zwischen dem stationären Handel und dem Online-Handel zu unterscheiden. Letztgenannter erlebt im Lockdown eine positive Sonderkonjunktur.
Heidi Hornschu-Baumbach (Hornschu Schlafmanufaktur, Kassel) und Stephanie Göbel (Göbel’s Landhotel KG, Willingen) geben einen Praxiseinblick in ihre Branchen: „Dem Handel ist eine erste Öffnungsperspektive aufgezeigt worden, der jedoch eine klare zeitliche Vorgabe fehlt und damit auch die zeitnahe Wirkung. Viele Unternehmen sind ohne Einkommen, sie erhalten nur einen teilweisen Fixkostenersatz. Ich als Gründerin mit der Neueröffnung meiner Schlafmanufaktur falle bisher durch alle Förderraster“, so Heidi Hornschu-Baumbach.
Stephanie Göbel unterstreicht: „Die Hotellerie und die Gastronomie haben mit der stringenten Umsetzung von Hygienekonzepten und den damit verbundenen Investitionen im Sommer gezeigt, dass sie verantwortungsvoll mit der Pandemie umgehen können. Umso enttäuschter sind wir, dass uns Öffnungsperspektiven erst in der zweiten Stufe des Corona-Perspektivplans der Landesregierung zugestanden werden."
Die Unsicherheiten über den Fortgang der konjunkturellen Entwicklung finden ihren Niederschlag in der Beschäftigungsentwicklung und im Investitionsverhalten. Beide Bereiche zeigen sich weiterhin tendenziell rückläufig. Das Instrument der Kurzarbeit stabilisiert den Arbeitsmarkt. „Zuversichtlich stimmen die Exportaussichten unserer Unternehmen“, erläutert Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes. „Gut 31 Prozent gehen von einem steigenden Exportvolumen aus und jeder fünfte Betrieb von einem fallenden Exportniveau. Das zeigt, dass hier die Optimisten langsam wieder die Oberhand gewinnen.“ Die Politik trage mit umfangreichen Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft sowie zur Sicherung von Arbeitsplätzen bei. „Um die Auswirkungen auf die besonders betroffenen Unternehmen so stark wie möglich zu reduzieren, ist eine schnelle, unbürokratische Auszahlung der Hilfsgelder wichtig. Ansonsten drohen mittelfristig Insolvenzen“, so Klein-Zirbes. 
An der Umfrage nahmen 324 Unternehmen teil. Befragt wurden 625 Unternehmen. Der gesamte Konjunkturbericht steht unter www.ihk-kassel.de/konjunktur zur Verfügung. Informationen zu Corona bietet die IHK unter www.ihk-kassel.de/finanzielle-hilfe und www.ihk-kassel.de/insolvenzrecht
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg übernimmt als Körperschaft des öffentlichen Rechts hoheitliche Aufgaben, unter anderem in der Aus- und Weiterbildung sowie beim Erstellen von Exportdokumenten. Ferner ist die IHK Dienstleister für Unternehmen, indem sie zum Beispiel kostenlos Einstiegsberatungen bei rechtlichen Fragen erteilt sowie kostenlos Jungunternehmer in spe rund um die Existenzgründung berät. Die IHK steht allen Unternehmen – klein oder groß – in jeder Phase ihrer Existenz mit Rat und Tat zur Seite, von der Gründung über die Turnaround-Beratung bis zur Nachfolge. Außerdem vertritt sie das Gesamtinteresse der regionalen Wirtschaft gegenüber der Politik.