IHK-Umfrage: Langzeit-Bilanz zum Umbau FES und Goethestraße

7. August 2019 – Seit der Eröffnung der umgebauten Friedrich-Ebert-Straße (FES) und Goethestraße sowie der damit verbundenen Neugestaltung des Quartiers sind einige Jahre vergangenen. Welche Langzeit-Bilanz ziehen die dort ansässigen Unternehmer? Das Team Standortpolitik und Unternehmensförderung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg hat bei Einzelhändlern, Gastronomen und Dienstleistungsbetrieben vor Ort nachgefragt.
Eine bessere Kundenfrequenz verzeichnen 42 Prozent der Unternehmer. Für das Gros liegt das vor allem daran, dass sich die Aufenthaltsqualität verbessert hat und nun mehr Events organisiert werden. Viel Lob gibt es für die Vielfalt der inhabergeführten Geschäfte, die ansprechenden gastronomischen Angebote, eine gute Erreichbarkeit mit allen Verkehrsmitteln und dass es weniger Leerstand gibt. Einige Geschäfte haben die Zeit der Umbauarbeiten allerdings auch nicht überstanden.   

Im neu gestalteten Quartier hat sich für knapp 38 Prozent die Parksituation leicht bis deutlich verbessert – gut 31 Prozent monieren eine Verschlechterung. „Vor allem am Wegfall der Brötchentaste reiben sich viele Unternehmen“, berichtet Ann-Catherine Krauss, IHK-Referentin für Planung und Stadtentwicklung. „Der schnelle Kurz-Einkauf auf dem Weg in den Feierabend entfällt damit. Diese Einkäufe werden woanders erledigt.“ In der Umfrage regen Unternehmer ein kurzes Zeitfenster von 15 bis 30 Minuten zum Gratisparken an – das wirke sich verkaufsfördernd aus.  
Die verkürzten gebührenpflichtigen Parkzeiten fallen für 69 Prozent der Unternehmen nicht ins Gewicht. Als wichtig merken Anlieger an, den Parkplatz hinter der Komödie neu zu gestalten. Ein Vorschlag lautet, E-Ladesäulen sowie ein Abhol- und Bringservice sowohl für Personen als auch für Einkäufe einzurichten. An der Straßenplanung entzündet sich einige Kritik: Kurven und Straßenbreiten seien zu eng, Lkw hätten Probleme beim Manövrieren.
Bemängelt wird, dass die Friedrich-Ebert-Straße dreigeteilt sei und es kein gemeinsames Event gebe. Einige Unternehmer wünschen sich mehr Straßenfeste und offene Sonntage. Zugleich werben sie bei den Anwohnern für mehr Verständnis für das öffentliche Leben im Quartier. 
Ergänzend sprechen sich die Unternehmer dafür aus, das lokale Einkaufen zu promoten. Erneut initiiert die IHK Kassel-Marburg daher die Aktionstage „Heimat shoppen“ am 13. und 14. September – gemeinsam mit der Kasseler Sparkasse, girocard und Netcom Kassel sowie der Aktionsgemeinschaft Friedrich-Ebert-Straße, den City-Kaufleuten sowie dem Quartier Wilhelmsstraße.
„Jeder hat es selbst in der Hand, wie sich sein persönliches Lebensumfeld entwickelt“, betont Carsten Heustock, IHK-Bereichsleiter Standortpolitik und Unternehmensförderung. „Schließlich sorgen gerade die lokalen Einzelhändler, Gastronomen und Dienstleister dafür, dass Städte, Gemeinden und die gesamte Region lebendig sind und bleiben.“ Kasseler Unternehmer, die sich am dritten September-Wochenende mit kleinen und größeren Aktionen und Veranstaltungen an den Aktionstagen „Heimat Shoppen“ beteiligen möchten, wenden sich an IHK-Handelsreferent Oliver Stöhr, Tel. 0561 7891-322, E-Mail: stoehr@kassel.ihk.de 
Auf der Liste der wünschenswerten Maßnahmen setzen die Unternehmer an der Friedrich-Ebert-Straße vor allem Social-Media-Aktivitäten und den Aufbau eines digitalen Marktplatzes. Zudem regt knapp jeder fünfte Befragte an, den Posten eines Quartiermanagers zu schaffen, um die positiven Entwicklungen und Prozesse fortzuführen. Die Finanzierung des bisherigen Quartiermanagements ist mit dem Ende des Förderprogramms „Aktive Kernbereiche“ ausgelaufen.
„Der Umbau der Straße ist beendet. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, die Straße zu bespielen und mit bürgerlichem Engagement weiter zu entwickeln“, sagt Klaus Parzefall, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Friedrich-Ebert-Straße e.V. „Wir sollten unsere Kräfte bündeln, um einen stetigen qualitativen Aufstieg der Straße zu gewährleisten.“
Die IHK Kassel-Marburg übernimmt als Körperschaft des öffentlichen Rechts hoheitliche Aufgaben, unter anderem in der Aus- und Weiterbildung sowie beim Erstellen von Exportdokumenten. Ferner ist die IHK Dienstleister für Unternehmen, indem sie zum Beispiel Einstiegsberatungen bei Rechtsfragen erteilt sowie kostenlos Jungunternehmer in spe rund um die Existenzgründung berät. Die IHK steht allen Unternehmen – klein oder groß – in jeder Phase ihrer Existenz mit Rat und Tat zur Seite, von der Gründung über die Turnaround-Beratung bis zur Nachfolge. Außerdem vertritt sie das Gesamtinteresse der regionalen Wirtschaft gegenüber der Politik.